Escola Popular

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TAGESLOSUNG

11.12.2018

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.
Jesaja 49,13

Christus Jesus wurde für uns zur Weisheit durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.
1.Korinther 1,30

Neuigkeiten unseres Praktikanten René in Brasilien

Von Februar bis Mai 2012 absolviert René Obst im Rahmen unseres Projektes "Brücken bauen" ein Praktikum in der Gemeinde "Bom Pastor" in Curitiba, Brasilien. An dieser Stelle erscheinen regelmäßig seine Berichte und Fotos. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

11. Mai 2012

 

Liebe Escola,

Die Gemeinde Bom Pastor und das Projekt Dorcas sind vergangen Sonntag ein Stückchen näher zusammengerückt. Pfarrer Eder, Anderson und ich haben im Gottesdienst das Projekt Dorcas vorgestellt, in dem Isabel momentan ihr Praktikum macht. Dies geschah ganz anschaulich mit den Kissen, die im Projekt Dorcas hergestellt werden. Nach dem Gottesdienst haben sich viele Gemeindemitglieder Visitenkarten vom Projekt geschnappt und wir konnten sogar schon zwei Kissen verkaufen.

Die Escola Popular baut jetzt auch in Curitiba Brücken.

 

Liebe Grüße,

René


4. Mai 2012

 

Liebe Escola,

mittlerweile ist es hier ziemlich kalt geworden. Über den Tag sind es ca. 12 grad, gestern waren es sogar nur 5! Es ist gar nicht so leicht mit den Temperaturen fertig zu werden, da hier die Häuser im meistens keine Heizung haben. Oft ist es deshalb drinnen genau so kalt wie draußen.

In den letzten Wochen hat unsere Projektbanda angefangen zu proben. Das erste Treffen war etwas enttäuschend, da viele Teilnehmer die einst zugesagt hatten, nicht kamen. Viele Teilnehmer kommen aus einem anderen Stadtteil und haben einen langen Weg bis zur Gemeinde Bom Pastor. Lislei und Marcio (zwei sehr engagierter Teilnehmer) haben daraufhin Fahrgemeinschaften gegründet um somit den Weg für viele zu erleichtern. Bei unserem zweiten Treffen waren wir dann vollständig. Nach einer kleinen Andacht konnten wir mit dem Proben von „Du bist meine Zuflucht“ bzw. „Deus é meu amparo“ beginnen. Das Lied gibt es hier mit derselben Melodie auf Portugiesisch.

Die Proben machen sehr viel Spaß. Ich bereite jedes Treffen mit Anderson vor und nach. Er schreibt die Noten der Melodieinstrumente und ich kümmere mich um den theologischen und perkussiven Teil des Treffens. Ein Teilnehmer meinte das letzte Mal, dass unsere Proben gut geplant sind und durch die Kombination von Rhythmus, Gesang und Andacht sehr abwechslungsreich sind. Es tut sehr gut, so viel Unterstützung zu bekommen.       

Mit Pastor Eder und seiner Frau Bianca habe ich in den letzten Wochen das Projekt Dorcas, in dem Isabel ihr Praktikum macht, noch einmal besucht. Pastor Eder interessiert sich sehr für Dorcas, da er und seine Frau in der Vergangenheit in einem ähnlichen Projekt gearbeitet haben. Er war sehr beeindruckt von der Leistung des Projektes. Im nächsten Sonntagsgottesdienst werden wir einen Teil des Projektes vorstellen und einige Kissen zum Verkauf anbieten, die dort hergestellt wurden.

 

Liebe Grüße

René


20. April 2012

 

Liebe Escola,

die Osterzeit ist vorbei. In der Gemeinde Bom Pastor haben Pfarrer Eder, viele Ehrenamtliche und ich die Gemeinderäume österlich geschmückt und die Gottesdienste vorbereitet. Wir haben beispielsweise mit dem Projekt Oase viele Eier bemalt und mit Süßigkeiten gefüllt. Diese Eier wurden dann am Ostersonntag an die Kinder im Kindergottesdienst verteilt.

Die Gottesdienste und die gesamte Ostezeit fühlten sich sehr vertraut an. Hier versteckt der Osterhase am Sonntag auch die Ostereier für die Kinder. J Im Hause meiner Gastfamilie hat der Osterhase sogar spuren im Haus hinterlassen. Die Kinder konnten es gar nicht erwarten mit der Eiersuche zu beginnen. Ich habe auch ein Osterei bekommen, allerdings musste ich eine Leiter benutzen um es vom Balkon zu holen. J Dieses lange Wochenende war sehr angenehm und herzlich und eine gute Erholungspause der ereignisreichen vergangen Wochen und eine gute Grundlage für die noch folgenden.

Denn die Projektbanda der Escola Popular fährt zum Landeskirchentag der Synode Paranapanema. In der kleinen Stadt Lapa, in der eine der ältesten Kirchen Paranas steht, wurde letzte Woche auf der Konferenz der Pfarrer Curitibas entschieden, dass die Projektbanda zu Beginn des Kirchentages spielt. Dort werden wir in einem kurzen Beitrag das Brückenprojekt der Escola Popular mit musikalischer Unterstützung der Projektbanda vorstellen und präsentieren. Es ist eine große Ehre dort aufzutreten, da die Zeit bei einer solchen Veranstaltung natürlich sehr begrenzt ist.

Außerdem habe ich auf der Konferenz der Pfarrer die Escola Popular und das Brückenprojekt noch einmal aufbereitet vorgestellt, da sich nach unserem letzten Besuch 2010 schon vieles weiterentwickelt hat. Mittlerweile sind zwei Praktikanten hier, die sich in unterschiedlichen Gemeinden und Projekten als und mit der Escola Popular engagieren, wir hatten unser erstes offizielles Escola-Treffen in der Gemeinde Bom Pastor und durch die Briefaktion für  die Landesbischöfin der EKM Ilse Junkermann konnten und können viele Ehrenamtliche einerseits ihre Arbeit mit der Escola Popular reflektieren und andererseits aktiv am Weiterentwicklungsprozess der Escola Popular mit dem Brückenprojekt hier vor Ort beitragen.

In Gesprächen mit Hans-Jürgen, Ruben, Andréa und Fábio ist uns aufgefallen, dass Isabel und ich in der Vergangenheit wenig in Kontakt kamen. Das soll sich nun ändern. Letzte Woche fand unser erstes Escola Popular „Stammtisch“ –Treffen statt. Diese Treffen sollen in Zukunft für die Praktikanten und Ehrenamtlichen hier im Rahmen des Brückenprojektes Raum zum lockeren Kennenlernen, Ideenaustausch und -reflexion geben. Bei unserem ersten Treffen redeten Isabel, Sofya, Anderson und ich über das Leben im Projekt Dorcas, über die verschieden Aktivitäten, die Sofya und Anderson in den Gemeinden anbieten, und über Ideen der Projektbanda. Somit konnten wir uns nochmal auf eine neue Art kennenlernen und zusammenkommen. Ich freu mich schon auf unser nächstes Treffen.

 

Liebe Grüße,

René


8. April 2012

 

Liebe Escola,

eine Werkstatt kennt jeder, aber einer Musikwerkstatt begegnet man nicht alle Tage. In einer „oficina da música“ (Musikworkshop oder -werkstatt) treffen sich engagierte Musiker und Laien, um gemeinsam an einem Wochenende für eine Gemeinde den Sonntagsgottesdienst musikalisch zu erarbeiten und mit einem vierstimmigen Chor zu unterstützen. Letztes Wochenende fand eine solche „oficina da musica“  - etwas außerhalb von Curitiba - in der ländlichen Gemeinde Cero Cero statt.

Für mich war diese „oficina“ etwas ganz besonderes, denn hier habe ich zum ersten Mal einen Sambaworkshop angeleitet. Ich war anfangs etwas aufgeregt, allerdings legte sich meine Nervosität schnell, denn einige Teilnehmer kannten den Sambarhythmus noch von Maiks letztem Workshop im Jahr 2010. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

Die Präsentation unserer Lieder am Sonntag war sehr beeindruckend. Mit Klängen von Gitarren, Flöten, Trompeten, Surdo, Pandeiro und einem Chor feierten wir den Gottesdienst.


1. April 2012

 

Liebe Escola,

vergangene Woche waren Hans-Jürgen, seine Familie, Ruben, Andréa und Fabió in Curitiba. In dieser Zeit haben wir viel gemeinsam unternommen. Wir besuchten beispielsweise das Projekt Dorcas, in dem Isabel ihr Praktikum macht. Dort haben wir an Isabels und Zens Capoeiratraining teilgenommen und zusammen eine einstündige Roda veranstaltet, die vor Energie nur so strotzte. Ich war sehr beeindruckt von der Roda. Die Kinder haben es geschafft, in dieser aufregenden Stimmung aufeinander zu achten und aufmerksam zu bleiben, bis die Roda zu Ende war.

Im Anschuss an das Training waren wir in der naheliegenden Favela. Der kurze Spaziergang durch die ungepflasterten Straßen war sehr beeindruckend. Viele Kinder, die auch in der Capoeiragruppe von Dorcas sind, leben hier in sehr einfachen Häusern.

Letzte Woche fand außerdem das erste offizielle Zusammentreffen der Escola Popular in der Gemeinde Bom Pastor statt. Nach einer Andacht berichteten Isabel und ich von unserer Arbeit in den Praktika. Außerdem sprachen wir viel mit der Musikergruppe über die traurige Nachricht, dass sie dieses Jahr leider nicht auf dem Landesjugendcamp spielen können und stellten im Anschluss die Idee der Projektband vor. Viele der Musiker überhäuften uns mit Fragen zur Banda-Popular in Deutschland, sie waren an der Idee, für den Kirchentag mehrere Kirchenlieder mit Sambapercussion einzustudieren, sehr interessiert. Ein erstes Treffen der Projektband Treffen ist nun nach Ostern geplant. Ich freue mich schon sehr darauf, da die Musiker hier sehr motiviert sind.

Isabel lud mich und Ruben letzten Mittwoch zum Training der Capoeiragruppe „Angola Dobrada“ ein. In dem Trainingsraum, der mit Berimbaus und anderen Capoeirainstrumenten schön geschmückt war, trainierten wir mit Mestre Márcio. Bei ca. 25 Grad schwitzten wir 2 Stunden bei Meia lua und Au. Das Training hat viel Spaß gemacht und noch dazu war es mein erstes Capoeiratraining in Brasilien.

 

Liebe Grüße,

René

 


25. März 2012

 

Liebe Escola,

vor zwei Wochen ist die Idee entstanden, mit Anderson, Sofya, mir und den Musikern, die leider nicht auf das Landesjugendcamp in Deutschland können, eine Art Projekt-Escola-Banda zu gründen, die nach dem Vorbild der Banda Popular Kirchenlieder einstudiert und rhythmisch neu interpretiert. Unser Ziel ist es ein kleines Programm für den Kirchentag der Synode Paranapanema am 26.05.2012 auf die Beine zu stellen, um so die Escola Popular und das Projekt „Brückenbauen“ live vorzustellen. Dabei unterstützen mich Anderson und Sofya wo sie nur können. Wir sitzen oft zusammen und arbeiten an der Umsetzung dieser Projektidee, unter anderem auch in der „Faculdade de Artes do Paraná“. Das ist die Universität, in der Anderson und Sofya Musik studieren. Es ist eine sehr gemütliche Universität. In den Pausen musizieren sogar kleine Studentengruppen auf einem sehr großen grünen Campus.

Einmal bat mich Rosane um Hilfe bei dem „Fórum de Reflexão Mulher Lutherana“. Dieses nationale Forum der lutherischen Kirche diskutiert über die Rolle der Frau in Brasilien und engagiert sich mit vielen Gesprächskreisen und öffentlichen Aktionen unter anderem für gerechte Löhne von Frauen, da in vielen Berufsgruppen Frauen für die gleiche Arbeit wesentlich weniger Geld verdienen als Männer. Wir haben Informationshefte für jede Gemeinde Curitibas und jede Synode Brasiliens vorbereitet. Im Anschluss daran sind wir auf die Konferenz aller Bischöfe Brasiliens gefahren um den Ansatz des „Fórum de Reflexão Mulher Lutherana“ vorzustellen. Bei dieser Gelegenheit konnte ich mit Unterstützung von Bischof Jorge Schieferdecker auch kurz über den Verlauf meines Escola-Praktikums berichten. Einige Bischöfe waren sehr interessiert, da sie sich an unsere erste Videopräsentation von 2009 erinnerten.

Die Gemeinde Bom Pastor veranstaltete letzte Woche neben Gemeindetreffen, Konfirmandenunterricht und Junger Gemeinde unter anderem auch ein Bingonachmittag, zu dem ca. 100 Personen gemischten Alters kamen. Die Menschen strömten förmlich in den neu gebauten Gemeinderaum. Nach einer Andacht konnte man sich bei Kaffee und Kuchen in kleinen Tischgruppen entspannt unterhalten und nebenbei kleine Preise gewinnen. Durch diesen Bingonachmittag passieren mir von nun an keine Fehler mehr im richtigen Zuordnen und Aussprechen der portugiesischen Zahlen. Ich glaube, wenn ich einen Portugiesischkurs geben müsste, in dem Zahlen gelernt werden sollen, ich würde Bingo spielen.

 

Liebe Grüße,

René


16. März 2012

 

Liebe Escola,

in der letzten Woche hat mein Praktikum in der Gemeinde Bom Pastor offiziell angefangen. Ab jetzt habe ich in der Woche nur noch wenig Zeit für Dinge, die nicht Gemeinde oder die Sprache betreffen. Ich arbeite am Vormittag viel an meinem Portugiesisch, übersetzte Texte für meine Hochschule und arbeite im Austausch mit Hans-Jürgen Ideen aus, wie die Escola mit dem Brückenprojekt in der Gemeinde platziert werden kann. Die anfängliche Idee, eine Capoeiragruppe zu gründen und aufzubauen haben Hans-Jürgen und ich verworfen, da man für eine beständige Gruppe kontinuierliche Begleitung benötigt, die über die drei Monate meine Praktikums hinausgehen. Momentan orientiere ich mich mit Anderson eher an der musikalischen Gestaltung von Gottesdiensten mit Gitarre, Klavier und Samba-Perkussion.

Am Nachmittag treffe ich mich dann mit Pastor Eder, um die verschiedenen Gemeindeveranstaltungen, wie beispielsweise Konfirmandenunterricht, junge Gemeinde oder „RAS“ (siehe letzten Bericht) und den kommenden Gottesdienst vor- und nachzubereiten. 

Die Inhaltlichen Gespräche mit ihm und mit den Gruppen fallen mir noch etwas schwer, da mein Portugiesisch noch nicht auf so einem hohen Niveau ist. Pastor Eder ist jedoch sehr rücksichtsvoll und wiederholt langsam, was ich nicht verstanden habe, oder spricht mit mir auf Englisch.

Gleich zu Beginn der Woche habe ich an der Versammlung der Pfarrer der Synode Paranapanema teilgenommen. Unsere Kennenlernreise im Herbst 2010 ist nicht in Vergessenheit geraten. Neben vielen Tagesgeprächspunkten gibt es in jeder Versammlung jemanden, der die Weiterführung und Weiterentwicklung des Projektes „Brücken bauen“ zum Inhalt hat. Dieses Mal wurde über die Verbesserung der Unterbringung der Praktikanten gesprochen, die nach Brasilien fahren. In der Cafézinho-Pause habe ich zwei Pfarrer kennengelernt, die sich sehr für das Brückenprojekt interessieren und gern mit uns in Kontakt treten möchten.

Außerdem konnte ich letzte Woche das Projekt OASE begleiten. OASE (Ordem Auxiliadora de Senhoras Evangelicas) ist ein diakonisches Projekt für Frauen über 60, die sich ehrenamtlich für die Gemeinde engagieren. Sie treffen sich einmal wöchentlich in der Gemeinde Bom Pastor zu einem Gesprächskreis und sprechen in einer lockeren Atmosphäre über biblische Themen und über Erfahrungen und Erlebnisse aus ihrem eigenen Leben. Nebenbei stricken, häkeln und fädeln sie kleine Deckchen und andere Zierstrickerei, die einerseits die Kirche und die Gemeinderäume verzieren, aber auch zu Gemeindefesten zum Verkauf angeboten werden. Und - wie viele hier - können aus der Gruppe fast alle deutsch.

Die Woche war sehr anstrengend. Es gab viel zu besprechen, zu übersetzten und zu überlegen. Durch die anhaltende Hitze wurde alles noch ein bisschen anstrengender. Samstagabend hatte ich glücklicherweise eine kleine Entspannungspause. Ich wurde zu einem ganz besonderen südbrasilianischen Fest eingeladen: dem Kerbfest. Einige der Gäste trugen typische bayrische Trachten und tranken aus Bierkrügen. Auf dem Speiseplan des Abends stand unter anderem „Weißwurst mit süßem Senf“ und „Eisbein mit Sauerkraut“. Ich konnte meinen Augen kaum trauen. Es gab wirklich Eisbein. In Brasilien. Es war ein sehr schöner Abend mit vielen angenehmen Gesprächen über die Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland.

 

Liebe Grüße,

René


6. März 2012

 

Liebe Escola,

mittlerweile ist es hier sehr heiß geworden. Es hat in der letzten Woche nicht einmal geregnet und über die Mittagszeit ist es oft brütend warm und sehr trocken. Die Tage in Agua Verde und der Gemeinde Bom Pastor bekommen so langsam eine Form.

Innerhalb der Woche verbringe ich jeden Nachmittag in der Gemeinde und lerne dort verschiedene Gemeindeaktivitäten kennen. Wie beispielsweise „RAS – Rede de Ação Solidária“ was übersetzt „Netzwerk der solidarischen Aktion“ heißt. Die Gruppe ist eine Diakonische Initiative der Gemeinde Bom Pastor, die sich für Menschen aus Favelas einsetzt. Sie organsiert und transportiert Lebensmittel und Kleidung an Menschen, die sich in Not befinden. Es treffen sich jeden Mittwoch engagierte Frauen und Männer, welche alte Kleidungsstücke aus der Region sammeln und diese wieder aufbereiten, um sie im Anschluss in einer naheliegenden Favela zu verteilen.

Die Gemeinde hat außerdem eine große Chorarbeit mit ca. 20 Personen. Sie singen verschiedene traditionelle Kirchenlieder, Lieder aus Taizé, aber auch traditionelle Lieder aus Brasilien, wie zum Beispiel „Agua de beber“ von Tom Jobim. Letzte Woche habe ich eine Probestunde mitgemacht und habe sogar den einen oder anderen Ton getroffen. Allerdings werde ich mich in Zukunft wohl eher um die perkussive Unterstützung mit Samba kümmern. Weitere Projekte werde ich in der nächsten Zeit kennenlernen.

Mit Pfarrer Eder verstehe ich mich sehr gut. In der letzten Woche haben wir intensiv an meinem Praktikumsplan gearbeitet und haben Ziele, Aufgaben und Umsetzungsideen meines Praktikums erstellt. Eines meiner Ziele wird sein, eine Capoeiragruppe zu gründen und aufzubauen.

Pfarrer Eder und die gesamte Gemeinde sind sehr aktiv. So hatten wir beispielsweise letzten Sonntag nach dem Gottesdienst ein großes Churrasco (Grillfest) welches komplett ehrenamtlich von der Gemeinde organisiert und umgesetzt wurde. Am Vortag haben wir 80 kg Fleisch und unglaublich viel Ost und Gemüse eingelegt, geschnitten und geschält. Am Sonntag kamen dann ca. 150 Personen aus der Umgebung und haben es sich schmecken lassen. Unter Ihnen auch Andréa und Fabió! Leider habe ich auf dem Fest nur wenige Fotos gemacht, da ich mich so gefreut habe, die beiden wieder zu sehen.

Insgesamt fühle ich mich hier sehr wohl. Ich habe in der letzten Woche viele unterschiedliche Meschen aus der Gemeinde und der Umgebung kennengelernt und mein Portugiesisch wird von Tag zu Tag besser. Nicht zuletzt durch die Hilfe meiner fabelhaften Portugiesischlehrer Anderson und Sofya, mit denen ich viel Zeit verbringe.

Nächste Woche wird mein Praktium offiziell beginnen. Ich freue mich schon sehr auf die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und auf viele Ideen und Impulse die daraus entstehen können.

 

Liebe Grüße

René


28. Februar 2012

 

Liebe Escola,

eine Woche ist es schon her, als ich zum ersten Mal Rosanes Haus betreten habe. Mittlerweile ist es zum Alltag geworden. Ich verstehe mich sehr gut mit der Familie. Rosane kann ein bisschen Deutsch, da sie - als sie klein war - mit ihrer Familie viel deutsch gesprochen hat. Sie erleichtert mir mein portugiesisch lernen sehr und gibt mir viele nützliche Tipps. Ich spreche mit ihr sehr oft beim Essen über die Gemeinde Bom Pastor und die Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland.

Portugiesisch lernen war in der letzten Woche meine Hauptaktivität. Ich saß oft und lange am Schreibtisch und habe Vokabeln gepaukt,  Sätze konstruiert und Lektionen aus meinem Portugiesisch-Kursbuch gelöst. Mir ist es nicht schwer gefallen, die Nachmittage am Schreibtisch zu verbringen, da es jeden Tag am Nachmittag extrem stark regnet und gewittert. Für mich ist der Regen jedoch eine willkommene Abkühlung zum heißen, sonnenreichen Vormittag. Sofya und Anderson, zwei Musikstudenten und Ehrenamtliche der Gemeinde, helfen mir ebenfalls Portugiesisch zu lernen und machen mich mit dem saftig grünen Viertel Aqua Verde vertraut.

Am Mittwoch haben wir zufällig einen Journalisten im Supermarkt getroffen, der über internationale Austauschprojekte schreibt und sich sehr für das Brückenprojekt der Escola Popular interessiert hat. Ich habe ihm unsere Kontakte gegeben und würde mich sehr freuen, wenn er sich meldet und einen Bericht über unsere Zusammenarbeit schreibt.

Am Sonntag während des Gottesdienstes konnte ich zum ersten Mal die Gemeinde und den neuen Pfarrer Herr Eder Weber kennenlernen. Ich habe eine kleine Präsentation über das Brückenprojekt der Escola Popular und über den Grund meines Aufenthaltes in der Gemeinde vorbereitet und konnte sie während des Gottesdienstes zum Teil auf Portugiesisch, zum Teil auf Deutsch halten. Ich habe Pastor Eder ein kleines Gastgeschenk überreicht, eine Kerze aus dem Augustinerkloster in Erfurt, meiner Heimatstadt. Am Ende meiner kleinen „Rede“ bekam ich sogar Applaus. Im Anschluss an den Gottesdienst habe ich mit vielen Gemeindemitgliedern deutsch gesprochen. Viele sind sehr glücklich, mal wieder deutsch sprechen zu können, da sie deutsche Vorfahren haben und nur wenige Gelegenheiten bekommen, deutsch zu sprechen.

Am Nachmittag habe ich mich zusammen mit Anderson und Sofya mit Isabel in der Innenstadt getroffen. Wir haben viel über Recife und ihren schönen Aufenthalt im Nordosten Brasiliens gesprochen und dass die Menschen dort eine völlig andere Mentalität haben als in Curitiba. Es tat sehr gut ein bekanntes Gesicht zu sehen unter all meinen neuen Eindrücken und Erfahrungen. Leider hatte ich nur wenig Zeit, da ich am Abend die Junge Gemeinde kennenlernen wollte. Wie ich erfahren habe entsteht jetzt die Gruppe ganz neu, da die Gemeinde von Juli bis Dezember keinen Pfarrer hatte und sich die Gruppen dadurch mit der Zeit mehr und mehr aufgelöst haben. Wir haben viel gesungen, musiziert, uns kennengelernt und über den Petrusbrief gesprochen. Es herrschte eine sehr angenehm lockere Athmosphäre.  Danach haben wir noch zusammen Hot-Dog Abendbrot gegessen, bis jeder nach Hause ging.

Heute Abend werde ich mich mit Bischof Jorge Schieferdecker treffen, um mit ihm über genauere Aufgaben meines Praktikums zu besprechen.

 

Liebe Grüße, Abracos

   René

 

P.S. Leider kann mein Computer keine Verbindung mit dem Internet herstellen. Ich benutze zurzeit den Computer von Rosane und kann daher meine E-Mails nicht sofort beantworten.


22. Februar 2012: Ankunft

 

Liebe Escola,

nach einer langen und abwechslungsreichen Reise bin ich am Montag (20.02.12) um 15:00 Uhr sicher in Curitiba gelandet. Ich musste auf der Reise einmal in London und ein zweites Mal in Sao Paulo umsteigen, wobei ich in Sao Paulo nicht in das Flugzeug gelassen wurde, da dieses restlos überfüllt war. Glücklicherweise konnte ich ohne große Probleme drei Stunden später die nächste Maschine nach Curitiba nehmen. Ich hatte ein wenig Angst, dass mein Gepäck abhanden kommt und nicht weiterhin mit mir reist, da die Gepäckforderwagen in Sao Paulo dreimal Gepäck in das Flugzeug eingeladen haben und es zweimal wieder ausgeladen wurde. In Curitiba angekommen habe ich jedoch meinen Koffer schnell gefunden und wurde freundlich von Sofya, einer Musikstudentin und aktiven Ehrenamtlichen der Gemeinde, in Empfang genommen. Sie hat mich dann zum Haus meiner Gastfamilie gefahren.

In Brasilien ist gerade Sommer, die Sonne scheint durch vereinzelte Wolken, bei angenehm warmen 28 Grad. Im Auto war es brütend warm, da ich noch mehr oder weniger winterliche Sachen an hatte. Manche Orte erkannte ich sogar von unserer Kennenlern-Reise 2010 wieder. Allerdings erstrahlt die Stadt diesmal in sattem Grün der Araucária (Pinheiro do Paraná), dem typischen Baum Südbarasiliens und vieler anderer Pflanzen.

Gérson (mein Gastvater) Hendrik und Victor (meine Gastbrüder) hießen mich in ihrem Haus - mit Kaffee und Kuchen - herzlich willkommen. Rosane (meine Gastmutter) war leider noch nicht da, sie feierte Karneval in einem anderen Bundesland mit ihrem Teil der Familie. An diesem Tag habe ich nicht mehr viel getan, da ich sehr müde war. Ich habe meinen Koffer ausgepackt, mich noch ein wenig mit Gerson über die Reise unterhalten und bin sehr früh schlafen gegangen.

Am nächsten Tag hat meine Gastfamilie ein Willkommens-Churrasco für mich veranstaltet. Bei einem Chorrasco werden viele verschiedene gegrillte Fleischsorten gegessen. Dazu gibt es Bohnen, Reis und verschiedene Salate. Ein Festmal könnte man sagen. Beim Essen konnte ich Rosane etwas besser kennenlernen. Rosane ist nicht nur meine Gastmutter sondern zurzeit auch meine Kontaktperson zur Gemeinde, da Pfarrer Eder Weber erst Ende der Woche wiederkommt. Rosane engagiert sich in verschiedenen bereichen der Gemeinde „Bom Pastor“ wie z.B. in der Chorarbeit und in Gesprächskreisen und ist Leiterin der nationalen ev. Luth. Frauenhilfe: „Fórum de reflecao da mulher lutherana“.

Ich bin sehr froh im Haus von Rosane zu sein. Alle hier sind sehr nett und zuvorkommend und unterstützen mich wo sie können. Ich fühle mich hier jetzt schon gut angekommen und angenommen.


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