Escola Popular

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TAGESLOSUNG

16.01.2019

Wenn dich dein Bruder oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lass uns hingehen und andern Göttern dienen, so willige nicht ein.
5.Mose 13,7.9

Zur Freiheit hat uns Christus befreit!
Galater 5,1

Aktuelle Reiseberichte

Eindrücke, Gedanken, Geschichten und Fotos unserer Delegation in Brasilien.

An dieser Stelle erscheinen bis Ende August aktuelle Berichte und Fotos aus Brasilien. Unsere kleine Delegation bestehend aus Hans-Jürgen Neumann, Maik Becker, René Obst, Andréa Schieferdecker und Fábio de Castilhos Lima berichtet von ihrem umfangreichen Programm.

+ 29.08. Ein neuer Anfang

Eine sehr ereignisreiche Reise geht zu Ende. Sie setzt ganz sicher neue Maßstäbe für die Weiterarbeit der Escola Popular. Der direkte Kontakt nach Brasilien fordert mehr Sprachkenntisse und bereichert die Arbeit in jeder Hinsicht. Es ergaben sich viele interessante Kontakte zu Kirchgemeinden, Projekten, Sambaspielern und Capoeiragruppen. Wir begegneten vielen Menschen die uns warm entgegen kamen und uns das Gefühl gaben, wie zu Hause zu sein. Nicht zuletzt Andréa und Fábio hatten daran großen Anteil. Besonderer Dank gehört Jorge Bischof Schieferdecker, der uns ein offenherziger und fachkundiger Begleiter war.

Reich an Erfahrungen, überwältigt von Eindrücken treten wir die Heimreise an und ebenso fest entschlossen sind wir, unseren Weg als Profilgemeinde fortzusetzen und die begonnene Kooperation zwischen der EKM und der IECLB weiter auf zubauen.

+ 28.08. Ilha do Mel

Ein Tag auf der „Ilha do Mel" mit Fábios Papa, einer Freundin und der kompletten Delegation der Escola Popular. Die Fahrt bewältigten wir fünf im Auto des Bischofs. Es ging über eine uralte Handelsstraße auf ca. 120 Kilometern 1000 Meter abwärts zum Meer. Die sehr kurvenreiche Straße führte durch den typischen Atlantikwald, sie brachte der Stadt Curitiba ihren Reichtum, denn sie stellte die Verbindung zum Hafen und damit zu anderen Teilen Brasiliens und zur Welt her. An den romantischen Haltepunkten gab es frisch gepressten Zuckerrohrsaft mit Limetten und Água de Coco aus frischen grünen Kokosnüssen. Es ging vorbei an reißenden Bächen und alten Brücken, durch romantische Städtchen mit indianischen Namen und Samstagsmärkten. Die Bäume wurden hier geradezu überwuchert von verschiedensten Pflanzen. Die Autos ließen wir auf dem Festland in einer der vielen Parkgaragen zurück.
 
Auf dem Inselparadies unternahmen wir eine kleine Strandwanderung und - das musste sein - ein herzliches Willkommensbad im Atlantik. Die Wellen spielten etwas mit uns und wir spielten mit den Wellen und der Freude ein zweites zu Hause gefunden zu haben und dabei unsere Escola Popular hier so hoch platziert zu wissen. Es war der erste wirklich entspannte Tag. Der Abend klang im Kreise der gesamten Großfamilie mit einem Churrasco im Hause von Bischof Jorge Schieferdecker und der Verabredung für eine Gesprächsrunde am nächsten Tag um 08.00 Uhr aus.
 
Praktika in Deutschland und Brasilien können jetzt schon mit Hans-Jürgen geplant und beantragt werden.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

+ 26.08. Halbzeit

Nachdem wir aufgebrochen waren, um in eine Kooperative für nachhaltiges Wirtschaften zu fahren, stellte sich nach 50 km und einer Fahrzeit von ca. einer Stunde heraus, dass wir falsch waren...

Wir landeten auf einer Ranch weiter im Inland. Dort, wo die Landschaft einfach bezaubernd ist, die kleinen Frösche ihren Jammergesang (man meinte an einer Formel 1 Strecke zu stehen) lautstark über die teils stark zerklüftete, teils als welliges Weideland genutzte Landschaft singen. Dort, wo auf und an den Bäumen eine Vielzahl von Orchideen und andere Gastpflanzen wuchern und die Vögel alltägliche Begleiter sind. Man kann Schluchten entdecken und wildromantische Ausblicke über weites Land genießen.

Dort standen 5 gesattelte Pferde und ein ca. 17 jähriger, absolut sattelfest aussehnder „Cowboy“ wartete auf uns. Bei dieser Begegnung stellte sich heraus, dass Pastor seinen 50. Geburtstag hat und das Ganze absolut kein Versehen war. Die Jungs hatten es ausgeheckt, unsere brasilianischen Praktikanten hatten es herzlichst befördert, der Bischof hatte professionell recherchiert und organisiert. Dazu gab es einen Hut aus der trockenen und harten "Sertaneja" des Inlandes als Geschenk.

Große Überraschung, Freude und Rührung auf allen Seiten...

Die Details der Ritte bitte dezent bei den Beteiligten erfragen.

Der Hut hat den Härtetest bestanden!

Anschließend erfrischte das winterliche Bad im Pool bei 30° C. Zeit zum Ausruhen gab es dann doch nicht. Solche Erlebnisse strengen durchaus auch an... Es ging durch den dichtesten Abendstau (eigentlich staute sich die ganze Riesenstadt) zur Synodensitzung. Auf dem Programm standen  ein Feedback unserer Reise sowie Besprechung des weiteren Vorgehens...

Das Ergebnis ist atemberaubend: die Arbeit der Escola ist einmalig und äußerst wichtig für die Menschen und die lutherische Kirche hier. Dabei sind die Erfahrungen in der Leitung und Organisation, in der praktischen Durchführung wie in der Philosophie und im Stil der Capoeira und der Samba-Batucada nicht zu ersetzen. Passend zum Start der zweiten Jahrhunderthälfte im Leben von Hans-Jürgen stehen wir also vor einem Start zu neuen Ufern. 

Der Abend klang in einem Jazzclub mit Musikern auf Weltniveau aus und höchst aufgekratzte, glückliche Escoleiros kamen danach immer noch nicht so richtig zum Schlafen. Die verbleibenden zwei Tage werden nun gebraucht um konkrete Arbeit und erste wie weitere Ziele zu verabreden und unsere Rückreise vorzubereiten. Das wird nicht leicht werden.

Eine sehr anstrengende aber auch äußerst erfüllende Arbeitsreise nähert sich ihrem „Etappenende“. Dabei sind in unseren Herzen Felder mit Samen wunderbar blühender Blumen und Kräuter besät worden. Alles weitere dann im Dialog mit der Leitung der Escola.

Axé do Pastor

 

 

 

 

 

 

+ 25.08. Samba com Pastel

08.00 Uhr Frühstückstreffen mit den Pfarrern von Curitiba und Vorstellung der Escola Popular mit der Power-Point-Präsentation von René, welche Andréa und Fábio nun fertig übersetzt hatten. Nach einer Stunde Vorstellung gab es eine Menge Rückfragen und ein Lied aus dem Gesangsbuch mit Sambauntermalung. Das ging ab. Die Rückfragen waren differenziert und zeugten von großem und offenem Interesse. Es wurde sehr deutlich, dass unsere Arbeit einmalig ist. „Ihr schreibt schon Geschichte." Klar wurde auch, dass man nicht einfach Capoeira oder Samba in der Kirche stattfinden lassen kann. Sie müssen Evangelische Kirche und Teil der Gemeinde sein. Der Samba und die Capoeira müssen klar evangelische Inhalte transportieren, ihr Stil ist nicht beliebig.
Dann musste unbedingt noch ein Capoeiralied gesungen werden, anders konnten wir da nicht raus kommen. Natürlich geschah dies. Wir wurden aufgefordert und gebeten unsere Arbeit nach Brasilien zu bringen.
Die theologischen Grundlagen dafür wurden ausgetauscht und weitere Schritte vereinbart. Den Rest des Vormittages von 11.30 -13.00 Uhr nutzten René, Maik und Fábio, um Instrumente für den Kindergarten der Synode anzuschaffen. Wir hatten im Gegenzug Caixas für die Escola in Brasilien vom Kindergarten bekommen.
Hans-Jürgen und Andréa trafen sich mit dem Bischof Jorge zum Meeting. Dabei ging es um mögliche konkrete nächste Schritte der Zusammenarbeit und die Vorbereitung des Treffens mit der Synodenleitung. Das war sehr aufregend, denn es wurde auch hier noch einmal deutlich, wie wichtig unsere Arbeit für die Menschen und die Lutherische Kirche in Brasilien sein kann und umgekehrt.
Dann: Eine beeindruckende und dennoch kleine Touristikroute mit Fábio durch Curitiba. Wir sollten wenigstens ein paar Sehenswürdigkeiten der Stadt erleben und sehen.
Der Abend klang mit „Samba com Pastel" einem kleinen Gemeindefest der Gemeinde „Bom Pastor" aus. Die „Escola Popular da Alemanha" beteiligte sich bei der musikalischen Gestaltung, wobei der Pfarrer zu Höchstleistungen mit Gitarre und Gesang auflief und die Jugend für das Zubereiten der leckeren „Pasteis" zuständig war.
Später gab es eine Geburtstagsüberraschung, denn der neue Tag begann bereits.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

+ 24.08. Schon im regionalen Fernsehen!

Nach einem Gang durch eine kleine Mateteefabrik, in der Bisouro und Repolho arbeiten, ging es (natürlich wieder mit der sich inzwischen vergrößerten Delegation der Lutherischen Gemeinde) zum Kulturzentrum der Stadt. Das war ein von außen durchaus stattlich aussehendes Haus. Im Inneren entstand der Eindruck einer halbfertigen, aber modern ausgerichteten Halle. Das Dach bestand aus Stahlstreben und Asbestplatten, zum Teil waren die Ziegelsteine noch nicht verputzt. Die untere Etage bestand aus einem großen Raum, darin waren ein Computerkabinett, Ausstellungsplätze und die abgetrennte Toilette mit Waschgelegenheiten sowie eine Treppe nach oben untergebracht. In der oberen Etage traf sich heute die Capoeira-Kindergruppe. Es war ein großer Raum, der in der Mitte einen Freiraum nach unten hatte, welcher durch ein Geländer umrahmt wurde. Hier wurde uns auch von Professor Repolho die hohe Qualität unserer Arbeit bestätigt, was uns natürlich sehr gut tat. Wer hört das nicht gerne. Dann kam der Kulturdezernent der Stadt. Wir befinden uns ja sozusagen in der Ukraine (über 70 % der Bevölkerung der Stadt hat ukrainische Abstammung) und in der größten ukrainischen Siedlung von Brasilien! Der 24.08. ist seit 18 Jahren der Unabhängigkeitstag der Ukraine, deshalb trat uns ein traditionell gekleideter „Ukrainer" entgegen. Er bestätigte die besondere Bedeutung unseres Besuches und der Zusammenarbeit mit der Gruppe „Corpo e Movimento" für die Stadt und speziell für die Wertschätzung der brasilianischen Kultur in ihr, sowie über die Stadtgrenze hinaus! Das regionale Fernsehen kam und führte Interviews. Und (wie sollte es auch anders sein) wir waren wieder alle gefordert: ein kleines Eröffnungsspielchen von Bisouro und Pastor alemão für‘s Fernsehen... diesmal unterstützten uns dann aber auch die Kinder! Es war schön, in den Capoeiraliedern der Roda auch die Wertschätzung der Escola Popular gespiegelt zu finden.
Das Ende dieser Begegnung wurde in einer kleinen Gaststätte sehr herzlich, reich an Gesprächen und mit vorzüglicher Mittagsbewirtung zelebriert. Wir wurden wie eine Delegation der Partnergemeinde behandelt und fühlten uns so wohl, wie in den Besten Zeiten zu Hause. Die Rückfahrt nach Curitiba war nun schon fast wie eine „Alltagssituation". Nachdem wir die Instrumente ausgeräumt sowie uns und unsere Sachen geordnet hatten, fuhren wir am Abend in das Büro des Bischofs, um etwas Büroarbeit zu erledigen und die nächsten Vorhaben zu besprechen.
 
 
 
 
 
 
 
 

+ 23.08. Contramestre Bisouro e Professor Repolho

Die Fahrt nach Prudentópolis führte an verschiedenen kleineren Siedlungen vorbei, die durch ein Regierungsprogramm gefördert wurden. Hier, wo früher Favelas standen, stehen jetzt einfache, aber schöne Hauser mit Gärtchen. Es gibt eine Schule und einen Sportplatz. Hier kann man die Auswirkungen politischer Umverteilungen des Nationaleinkommens deutlich erkennen, welches nicht größer geworden ist. Dramatisch würde es für viele Menschen, wenn sich die politischen Verhältnisse änderten. In Prudentópolis wurden wir von dem Pfarrer und einigen Gemeindegliedern, einschließlich der Familie des Capoeirameisters, in der Kirche empfangen. Nach einem Austausch und der Vorstellung der Escola gab es am Nachmittag einen Ausflug zu den „schenen Herrlichkeiten" der Landschaft. Wir bekamen drei Stunden Extraurlaub verordnet und besuchten alle gemeinsam zwei Wasserfälle. Danach wurde füruns ein extra Training mit Contramestre Bisouro und Professor Repolho veranstaltet. Die versammelte Gemeinde schaute zu, vor dem Zaun des Kirchgartens sammelten sich neugierige Kinder und Jugendliche. Das war schon ein hoffnungsvoller Erfolg für die sehr kleine lutherische Gemeinde hier. Am Ende gab es eine Roda, in der wir alle gefordert waren (Bisouro, Repolho, Andréa, Fábio, Maik, René, Pastor alemão).
C.M. Bisouro gehört zu Mestre Angola aus Salvador, Mestre Dendê und der Gruppe „Corpo e Movimento". Das Spiel mit den beiden war wunderschön. Bisouro entpuppte sich durchaus als verrückter Flieger sowie ein Spieler mit vielen Tricks, hoher Geschwindigkeit und Präzision. Die Philosophie der Gruppe ist Kampf und kreativer Dialog ohne Aggression. Das heißt es geht gut zur Sache, aber sanft. Niemand tut sich weh (wenn es gut geht - bei uns ging es gut!) und niemand tut einem anderen weh.
Wir haben uns bestens verstanden. Nach dem „Übungsprogramm" ging es - wieder gemeinsam mit der lutherischen Gemeindedelegation des Ortes ins Zentrum - vor die große türkisfarbene katholische Kirche. Dort bekamen wir von einem fortgeschrittenen Schüler der Capoeiragruppe Unterstützung für die Roda. Wir waren wieder alle gefordert ;-) Aber das kennen wir ja auch aus Deutschland :).
Abends fand ein gemütliches „Gemeindefest" im Hause „Bisouro" statt. Es waren alle gekommen.
In dieser Nacht wurden die „Deutschländer" zum ersten Mal getrennt. Wir übernachteten in drei verschiedenen Häusern bei Gemeindegliedern. Pastor begleitete C.M. Bisouro, um ein Ehepaar 18 km nach Hause zu fahren. Sie wohnten in einem einfachen, aber sehr nostalgischen und romantischen Holzhaus bei einem Kreisel der Überlandstraße und waren so herzlich (wie auch die anderen Gemeindeglieder), dass es schwer fällt, sie so schnell nicht wieder besuchen zu können.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

+ 22.08. Gottesdienst, Tia Ingrid und Caipirinha

Sonntag. Ein Gottesdienst, von dem wir und auch unsere Kirchen sehr viel lernen können. Richtig ärgerlich, dass sie hier schon eine musikalisch gestaltete Liturgie haben und sie nicht von der Escola ist. Aber uns wurde gratuliert, unser Mut bewundert und wir bekamen Tipps zu freien Stellen. Ohje, vai (vorwärts) Escola... auf was haben wir uns eingelassen? Die Gemeinden hier im Süden sind durchaus "deutschländerisch", die Liturgie bei allem Schwung auch nicht fremd, Vater unser, Glaubensbekenntnis und anderes findet man auch hier. Zur Taufe wurden alle Kinder nach vorn gebeten, so wie bei uns auch üblich. Die Predigt hielt ein brasilianischer Pfarrer, der gerade hier auf Urlaub ist und sonst für mehrere Jahre in Süddeutschland arbeitet. Er überbrachte uns das Angebot aller acht brasilianischen Kollegen, die gerade im Austauschprogramm in verschiedenen Bundesländern in Deutschland arbeiten, unsere Arbeit in Deutschland zu unterstützen.
Heute scheint die Sonne so stark wie lange nicht. Seitdem wir hier auf dem Land sind, leben wir mit recht fleißigen Moskitos zusammen und haben ein Zertifikat der "4. Oficina de Música" (Musikworkshop oder -werkstatt) über "Música e Espiritualidade" (Musik und Spiritualität). Die Musikprofessorin Gisella Ollson Schlagenhaufer ist eine Deutsch sprechende Powerfrau, die es verstand, unseren Chor von 27 Leuten in kurzer Zeit in Hochform zu pushen. Mit ihr wäre ein Chorprojekt in der EKM erstklassig besetzt. Zusammen mit ihr, dem Musikstudenten Lucas Frühauf und der nationalen Koordinatorin der Kirchenmusik Lislie Moraes de Carvalho Koester gelang es uns, brasilianische Volksmusik mit den Kirchenliedern zu interpretieren, gemeinsam einzuüben und gleich im Gottesdienst zu präsentieren.
Am Nachmittag fuhren wir in das Nachbardorf. Eine Pastorin der IECLB arbeitet dort als Leiterin eines sozialen Projektes zur Unterstützung von benachteiligten Jugendlichen. Links von der Straße wohnen "Deutsche", sie sind Donauschwaben oder Sorben. Diese Gemeinschaft hat eine Kooperative gegründet und eines der größten Getreidewerke Lateinamerikas aufgebaut. Wir sind außerdem in dem Ort gewesen, in welchem das beste Mehl Brasiliens hergestellt wird. Links der Straße kann man dies auch deutlich erkennen. Rechts der Straße liegt Brasilien. Wir überqueren die Straße und biegen rechts ab. Alle Menschen auf beiden Seiten der Straße arbeiten in der "deutschen" Kooperative. In dem Sozialprojekt engagieren sich ca. 50 ehrenamtliche Leute, auch viele Deutsche. Es gibt aber auf beiden Seiten Vorurteile gegeneinander. Wir stehen als Deutsche, die Samba und Capoeira spielen, dazwischen und passen nicht in die hier üblichen Muster. Im Projekt gibt es Koch- und Computerkurse sowie Gartenbau, außerdem auch ein großes Gemeinschaftsbeet für die Siedlung - rechts von der Straße. Capoeira wird auch einmal in der Woche angeboten. Damit verhält es sich so wie mit dem Gemüsebeet. Für die "Deutschen" oder die Gemeinde ist dies in keiner Weise gedacht und diese wiederum erkennen es nicht für sich als große Chance. Die Kooperative (der Donauschwaben) finanziert verschiedene gemeinnützige Anlagen des Ortes (z.B. Sportplatz, Wasserleitung - diese aber nicht überall), so auch das Grundstück, auf dem das Haus für das Projekt steht. Dies alles allerdings auf freiwilliger Basis. Die Kommune hat nicht per Gesetz ein Anrecht auf Steuern aus dem Gewinn des Betriebes.
Am Abend sind wir bei dem Pfarrerehepaar eingeladen. Tia (Tante) Ingrid hatte uns zum Mittag versprochen, einen großen Caipirinha zu mixen. Das tat sie dann auch - leeecker! Im Nebengespräch erfahren wir, dass ein gut Deutsch sprechender und sehr aufgeschlossener Junge sehr begeistert von den Erfahrungen mit uns war. Er hatte zum ersten Mal Samba gespielt und das auch noch in der Kirche - die Gemeinde setzt sich fast ganz aus Donauschwaben zusammen.
Sein Vater wurde vor zwei Jahren mit 8 Schüssen getötet.
Zum Abschied bekommen wir ein kleines Geschenk: eine gebrannte CD mit den Fotos der im Gottesdienst anwesenden Fotografin und ein Gesangbuch mit den Liedern der im Jahr 2000 neu gestalteten Liturgie.
 
 
 
 
 

+ 21.08. Bem vindos ao Brasil!

Andréa und Fábio sind 1 Jahr bei der Escola Popular!
Der Tag ist von Vorträgen, Übungen und Workshops geprägt. Stimmbildung, Gesangsunterricht, Choräle, Einüben einer Gottesdienstgestaltung (musikalisch gestalteten Liturgie) für den nächsten Tag. Die Zeit von 14.00 - 16.00 Uhr gehört uns. Nach einer Begrüßung durch René, einem kleinen Vortrag über die Escola Popular von Hans-Jürgen, einem Kurzkurs in Samba von Maik sowie der engagierten Übersetzung durch Andréa und Fábio war schon alles vorbei. ;-) Eine Gruppe brasilianischer KirchenmusikerInnen lernte Samba mit Hilfe von drei deutschen Worten.... und rechts und links und rechts und links...
Es machte riesengroßen Spaß uuuund! die Leute sagten tatsächlich, „so etwas haben wir hier ja nicht", oder „hier in dem Ort haben wir keinen Samba, wir haben es schon probiert, aber keine Ahnung". Lukas, der Musikstudent sagte, er habe nun alles erlebt, was man erleben kann und könne nun auch in Frieden sterben... Deutsche unterrichten in Brasilien Samba... Es gab interessierte Rückfragen, wie wir genau arbeiten und ob wir jetzt auch gleich noch Capoeira spielen. Die Frage kam nicht von den Jugendlichen, sondern von einer älteren Frau! Wir mussten sie enttäuschen, denn das Programm war reich angefüllt. Mit dem groovenden Schwung dieses Workshops gingen wir daran, drei liturgische Lieder in drei Gruppen musikalisch zu gestalten. Das ging gut ab. Die Leute hier waren es schon gewohnt in Gruppen miteinander in kurzer Zeit ein Lied zu erarbeiten und dabei auch traditionelle Rhythmen zu verwenden. Diesmal freilich mit original brasilianischen Sambainstrumenten sowie Berimbau! Das begeisterte auch Lukas, der die musikalische Leitung der Workshoptage hatte. Wir waren tatsächlich mit der Escola im brasilianischen Inland und kleinen Gemeinden angekommen. Für uns das schönste: wir fühlten uns nicht mehr als Fremde, sondern als eine Gemeinschaft. Vielleicht ist jetzt die Zeit für ein Vater unser.
Der Arbeitstag begann 09.00 Uhr und war 22.30 Uhr zu Ende. Wir tranken noch ein, zwei Bier vom Fass in der kleinen Brauerei im Ort und gingen dann gegen 01.00 Uhr in die mit hölzernen Doppelstockbetten ausgestatteten einfachen Zimmer, um die Zeit bis 07.00 Uhr mit noch möglichst viel Schlaf zu füllen.
 
 
 
 
 

+ 20.08. Guarapuava/Cachoeira

Die Fahrt nach Guarapuava zum Workshop für Kirchenmusik ging über drei Stunden vorbei an Termitenhügeln, Weiden, kleinen Siedlungen und Favelas. Im Autoradio wurde gesagt, dass jedes fünfte Haus ohne Wasseranschluss ist. Es leben nur noch 17 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze, was hier bedeutet, dass sie nichts, also gar nichts, haben. In den letzten Jahren (unter Lula) ging diese Zahl von 37 Millionen zurück. Das ist durchaus beachtlich. In vielen Favelas gibt es jetzt auch ein paar geförderte Häuser. Man erkennt sie leicht an der Farbe und den freundlichen Fassaden. Immerhin! Allerdings ist dahinter das gleiche wie früher zu finden. Eine Küche, ein Raum mit einem Bett. Hier wohnt eine Familie mit Großeltern und mehreren Kindern. Sie haben also schon entschieden mehr als nichts.
In Guarapuava kamen wir nach Einbruch der Nacht gegen 19.00 Uhr an und wurden mit Kaffee und Broten empfangen. Die Andacht wurde von Bispo Jorge gehalten, zu den Liedern sollten wir "Deutschländer" mit unseren Instrumenten spontan improvisieren.
So erklangen die Lieder zum ersten Mal neben Gitarre und E-Piano mit Berimbau, Pandeiro, Surdo und Agogo.
Die gesamte Kirchenmusik wird ehrenamtlich bewältigt und bei den Sachmitteln wird dafür gespart, wenn es Engpässe gibt. So sind derartige Musikworkshops tatsächlich das wichtigste Werkzeug für diese Arbeit. Es kamen etwas mehr als 20 Jugendliche und Erwachsene aus 5 Gemeinden. Die musikalischen Voraussetzungen waren verschieden, aber alle waren sehr aufgeschlossen und wollten unbedingt etwas lernen. So wurden dann in der Nacht spontan Instrumente ausprobiert und auch gesungen und getanzt.
Unser erster Eindruck: Um die lutherische Kirche mit mehr Kraft auszustatten, wären hier dringend Veränderungen nötig. Musik ist hier immer noch DAS Mittel um die Herzen der Leute zu erreichen, gleich wo sie leben.
 
 
 
 
 

+ 19.08. Ein Tag mit über 26 Stunden

Ein neuer Tag. 7.00 Uhr aufstehen, damit wir um 9.00 Uhr für den Unterricht im christlichen Gymnasium „Martinus" vorbereitet sein konnten.
Nach der Besichtigung einer superguten Schule(!) waren wir drei Stunden an der Reihe: Vorstellung der Escola Popular vor 44 SchülerInnen der 7. und 8. Klasse, dann zwei Wokshops mit Samba und Capoeira. Eine verrückte Erfahrung für uns. Wir brachten den SchülerInnen ihre eigene Folklore bei! Sie fragten, wann wir wieder kämen und freuten sich über ihre ersten und Mut machenden Erfahrungen mit Samba und Capoeira. Erstaunlich war ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion. So überwanden viele ihre anfängliche Scheu vor diesem Unbekannten (!) und davor, sich öffentlich zu produzieren. Der Erfolg war Freude, gemeinsames Lernen, gestiegene Selbstachtung. Es war fast so, als ob wir zu ihnen sagten: Herzlich willkommen in Brasilien, podem entrar (ihr dürft eintreten/bitte tretet ein)! Unsere Flyer und Aufkleber fanden viele Hände und wir viele Herzen.
Danach schnell Mittagessen in einer öffentlichen Küche...ich sage nichts weiter (um nicht für Verunstimmungen zu Hause zu sorgen ;-) ). Pastor wurde stellvertretend für alle auf ein typisch brasilianisches Getränk von der Mutter des Hauses eingeladen. ;-)
Dann fuhren wir mit dem Bischof zu DORCAS, einem Sozialprojekt der Ev. Luth. Gemeinde in einer Favela ausserhalb von Curitiba. Hier gehen 68% der Kinder und Jugendlichen nicht in die Schule. Das übliche Überangebot von „Heil" bringenden Kirchen in diesen Gegenden macht sie gleichfalls desinteressiert für derartige Angebote.
So macht die Lutherische Gemeinde soziale und Bildungsangebote. Die Leute müssen etwas dafür bezahlen, damit sie lernen, für sich zu kämpfen und für sich zu arbeiten.
Was an diesem Ort los ist, kann man sich leicht vorstellen: Drogen, Kriminalität und Prostitution gehören zum Alltag der Kinder und es ist leichter von den „Kirchen" etwas geschenkt zu bekommen, als zu lernen oder zu arbeiten.
DORCAS gibt ihnen Musik-, Sport-, Agrar-, sowie auch Nachhilfeunterricht, um  mit den Kindern in Kontakt zu kommen und ihnen eine Zukunft zu ermöglichen. Am Anfang wird ein Gebet oder eine kleine Andacht gehalten. Zu einem Gottesdienst würde niemand kommen. Auf der Hinfahrt kamen wir in Curitiba programmatisch an einem Plakat vorbei: „Kinder brauchen Zukunft! Gebt keine Spenden!". Dessen Bedeutung war uns nun eindeutig klar.
Möglichkeiten um hier als Escola Popular zu arbeiten hätten wir mehr als genug.
Zeit für Abendbrot war nicht, dafür hielten wir an einer Açai-Bar. Es gab Vitamine, Mineralien... in der reichhaltigsten Nahrung der Welt, direkt aus dem Urwald Brasiliens.
Hier verabschiedeten wir auch unsere Krippe.
Am Abend schien es, als ob wir von Deutschland aus (von hier aus zählen auch die Niederlande dazu ;-) ) ein herzliches Willkommen bekommen würden. Wir waren zur Geburtstagsroda von Mestre Déa (Gruppe Kauande) eingeladen. Es war ein Treffen von zwei Capoeiragruppen aus Curitiba. Mit dabei waren auch Mestre Alemão (Gruppe Ação Capoeira) und Mestre Marlon (Gruppe Muzenza). Soweit war es noch sehr brasilianisch für uns. Wir wurden offiziell begrüßt und die Bedeutung der brasilianischen Kultur an unserem Beispiel betont. Dies hob die Selbstachtung der Leute hier und veränderte die eigene Sicht auf ihre Kultur und deren Wertachtung sehr. Wir zogen uns schnell auf der öffentlichen Toilette des Kaufhauses um, in welchem Mestre Déa einen ständigen Platz für Capoeira hat. Dann war es so weit: Wir wurden aufgefordert, in die Roda zu gehen. Wir spielten und begleiteten auch die Musik. Die Atabaque wurde von einem Typen so gespielt, dass wir uns da nicht rantrauten. Es war ein unscheinbarer Mann mit starkem Herzen und großen Erfahrungen. Es war Mestre Marlon. Er entpuppte sich als Freund von Mestre Saulo (Berlin), aber auch von Mestre Umoi (Portugal), Mestre Gildo Valu (Amsterdam), Mestre Macheta (Amsterdam) und Mestre Samara (Amsterdam). Das Spiel war sehr schnell und auf sehr hohem Niveau. Es tat natürlich sehr gut, dabei  gewesen sein zu dürfen, aber das Entscheidende passierte hinterher in den Gesprächen mit den Gästen, SchülerInnen und Meistern. So gratulierten uns die Lehrer und Meister, aber auch Eltern der vielen Capoeira-Kinder zu einem sehr schönen und runden Spiel. Eine besondere Ehre war für uns die Begrüßung durch die älteste anwesende Dame. Sie zog 21 eigene Kinder auf und adoptierte noch eines. Wir führten viele Gespräche über Deutschland, die Hintergründe unserer jeweiligen Arbeiten in Brasilien und Deutschland und fanden darüber hinaus auch hier Freundschaften, die sich wie ein Segen über uns legten. Es zeigte sich bei aller Verschiedenheit auch eine starke Verbundenheit. Den Schluss der Roda bildete ein Vater Unser, es schloss sich ein großes Geburtstagstortenessen an. Als wir nach zwei Stunden das Treffen verließen, hatten wir das Gefühl, zwei Tage dagewesen zu sein, so geballt waren die Erfahrungen. Dass wir auch Samba unterrichten, brachte Maik gleich die Frage ein, ob wir das auch mal in den Gruppen hier machen würden.
Wir wurden zum Training und zur großen Roda am Ende des Monats herzlich eingeladen. Unsere Tage werden ganz sicher noch voller aber auch unendlich reicher.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

+ 18.08. Fast Ruhetag

AUSSCHLAFEN!!! Dann ganz gemütlich Frühstücken. Ein inzwischen groß gewordener Wunsch ging in Erfüllung :-) Den Tag verbrachten wir mit Wäschewaschen, Einkaufen, wieder Struktur in den Alltag bringen. Highlight war das Mittagessen von Fábios Oma!
Zum Trocknen brachten wir die Wäsche in die Wäscherei um die Ecke und holten sie nach 45 Minuten komplett getrocknet und zusammengelegt in zwei Plastikbündeln ab.
Dann ging es mit dem Bischof zu einer Umbandazeremonie (Umbanda ist eine afrobrasilianische Religion). Wir wurden herzlich willkommen geheißen und in den Ablauf integriert.
Es war ein sehr interessanter Abend, er führte zu intensiven Reflexionen bei und unter uns. Nach zwei Stunden gab es eine Pause, welche wir für zwei Gespräche mit Leuten der Umbandagemeinde nutzten. Dann waren wir allerdings so müde, dass wir ins Bett fielen. Die Tage bisher waren doch sehr anstrengend, inzwischen hatten auch alle eine fette Grippe, so kam uns der Ruhetag sehr entgegen.
 
 
 
 
 

+ 17.08. Cataratas do Iguaçu

Die Wasserfälle von Iguaçu stehen auf dem Programm unseres zweiten freien Tages.
10 km Busfahrt im Nationalpark, um direkt zu den Fällen zu kommen. Hier gibt es nicht die höchsten, aber die größten Wasserfälle der Welt: 2780 Meter breit, je nach Jahreszeit 150 bis 300 Wasserfälle von 40 bis 82 Meter Höhe. Sie sind ca. 150 Millionen Jahre alt. Man kann hier stundenlange Spaziergänge machen und verschiedenste Tiere treffen.
Im Souvenirlädchen sorgten wie einmal mehr für Aufsehen, als wir erzählten, dass wir aus einer Capoeira- und Sambaschule aus Deutschland kommen.
Der Spaziergang in einer gigantischen und wunderschönen Landschaft enthüllte auf beinahe jedem Meter neue phantastische Eindrücke und erzeugte eine magnetische Anziehungskraft, so dass wir uns Mühe geben mussten, die Heimreise nach Curitiba anzutreten. Wir fuhren über 8 Stunden mit dem Auto, welches wir freundlicherweise von Fábios Papa geborgt bekamen, und durchquerten dabei 2/3 von Paraná. Uns wurde klar: „Mit jedem Tag länger in Brasilien sind wir mehr in Brasilien."
 
 
 
 
 
 
 
 
 

+ 16.08. Itaipu

7 Stunden Fahrt in Richtung Westen fast nur Felder und Weiden bis an die Grenze von Paraná/Brasilien nach Paraguay und Argentinien. Zwischendurch wurde noch schnell das Gummi der Windschutzscheibe mit Klebeband befestigt, da es sich bei starkem Gegenwind (von Lastkraftwagen) mehrmals abzog.
In Foz do Iguaçu angekommen, aßen wir in einem Supermarkt herrliche gekochte Speisen und bezahlten nach kg!
Dann bekamen wir eine Exklusivführung durch das größte Wasserkraftwerk Brasiliens und die Nr. 1 der Welt in der Stromerzeugung und im Umweltschutz. Für die Fischzüge wurde eigens eine 10 km lange Wasserstraße mit kleinen Seen angelegt.
Ein Mitglied der Ev.-Luth. Gemeinde hat es für uns möglich gemacht, in Räume des Kraftwerkes und der Staumauer zu kommen, die sonst nur spezielle Mitarbeiter betreten dürfen.
Der Stausee ist 6 km breit, 180 km lang, danach kommt ein ausgeweitetes Flusssystem um halb Paraná. Paraná ist ein kleines der insgesamt 27 Bundesländer Brasiliens. Das Kraftwerk wird von Paraguay und Brasilien gemeinsam betrieben, so bewegten wir uns bei der Besichtigung in zwei Ländern und kamen ohne Pass und Zollkontrolle mehrmals über die Landesgrenze. Allerdings war sie an einigen Stellen bewaffnet bewacht, so wie das gesamte Gelände mit Kameras, Polizisten und Sperren abgesichert war. Die Touristen hier bekommen Führungen, aber nur einen Bruchteil von unserem „Programm" zu sehen. Auf der 180 Meter hohen Staumauer konnte man seinen Blutdruck steigen lassen, wenn man in die Tiefe schaute. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl im Innern der Staumauer bis auf den Grund des ehemaligen Flusses und besichtigten auch die Turbinenhalle von 1 km länge mit 20 Turbinen, die Schaltzentrale des Kraftwerkes, von wo aus ganz Paraguay und der Süden Brasiliens sowie der Großraum São Paulo mit seinen Industriegebieten mit Strom versorgt wird. Im Inneren der Anlage muss man sich mit Gehörschutz gegen 94 - 118 dB schützen. Durch einem Raum verliefen 6 dicke Rohre, das waren „Stromkabel", durch jedes gingen 500 000 Volt, sie wurden mit unter Druck stehendem Gas isoliert, damit es nicht zu verheerenden Unfällen/Katastrophen kommen kann. Am „Wasserhahn", von wo aus der Zulauf zur gigantischen Anlage kontrolliert wird, kamen wir auch vorbei. Es bleibt der Eindruck der Superlative und eines gelungenen freien sowie exklusiven Nachmittages.
Abends ging es noch kurz über die Grenze nach Paraguay. Auf der Fahrt wurden wir von allen gewarnt und gemahnt sehr vorsichtig zu sein. In Paraguay ist die Armut allgegenwärtig, Chaos und Kriminalität sowie Korruption begegnen einem u.a. auch in einem Polizeibeamten, der u.U. das personifizierte „Gesetz" ist. Die freundliche Abfertigung der brasilianischen Grenzbeamten stand im krassen Gegensatz zur riesigen, sehr hohen, altersschwachen Brücke, die direkt aus der Kulisse eines utopischen Horrorfilmes hierher gestellt worden zu sein schien. Es ist Niemandsland zwischen den Grenzen, die Geländer waren zum Teil nicht mehr vorhanden, der Verkehr tobte unaufhörlich in beiden Richtungen. Jeder fuhr wie und wo er konnte, manchmal war auf einer Spur nur Platz für ein Motorrad, weil der Gegenverkehr nicht mehr Platz ließ. Alles im fließenden Verkehr mit LKWs , PKWs, Motorrädern und Fahrrädern. Zwischendrin reparierte jemand sein altersschwaches Fahrrad. Die Abgase und der Lärm führten zu Stress und nach wenigen Minuten auch zu Kopfschmerzen. Viele Brasilianer kaufen in Paraguay ein, weil es alles und sehr billig (aus China oder selbstgemacht) gibt. Manches wird auch übers Brückengeländer „eingeführt". Davon zeugte eine Stelle, die mit Pappe Seilen das reibungsarme Laufen ermöglicht. Hier geht u.a. auch die „Verkehrslinie" der Rauschgiftdealer und Waffenhändler entlang. Rechts und links des Flusses Favelas, der rege Verkehr kleiner Motorschiffchen hin und her sowie auf die Insel zwischen den Ländern erzeugt einen surrealen abendlichen Eindruck. Wir verzichteten an diesem Abend auf die offizielle Einreise nach Paraguay und bewegten uns also zwischen Aus- und Einreise ausschließlich im Niemandsland gemeinsam mit vielen Menschen, die hier ihren Alltag bewältigen müssen.
 
 
 
 
 
 
 
 

+ 15.08. Kirchentag in Ivaiporã

Während zwei Stunden Autofahrt kamen wir an Feldern, Tälern und Bergen vorbei. So weit das Auge schauen kann: Felder. Es ist Erntezeit (wie das ganze Jahr über), der Mais ist reif und es ist Winter! Der überall aufsteigende Nebel kündete einen sonnigen Tag an, welcher sich mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang gegen 07.00 Uhr einstellte.
In Ivaiporã angekommen, suchten wir den Pfarrer und die Stadthalle, wo heute der Kirchentag von 5 Kirchengebieten stattfand. Die Gemeinden waren zum Teil viele Stunden mit Reisebussen unterwegs. Der ganze Tag war als Gottesdienst gestaltet, welcher ein sehr freundliches Gesicht hatte. Als Predigt gab es einen Vortrag von Werner Fuchs über das Thema Glauben und Geld. Die Lieder wurden von einer Band und einem Chor auf herzliche und erfrischende Art begleitet.
Das Mittagessen war als Gemeinschaftsmahl gestaltet mit hausgemachtem Essen. Ich schweige an dieser Stelle und schwelge in Erinnerungen ;-) Obwohl diese hier spätestens bei der nächsten Mahlzeit vergessen sind. Hier leben Landleute und so war eben auch das Essen. Bereits hier wurde das Wort Gemeinschaft für uns neu definiert. Nach dem Gebet aßen alle irgendwo im Freien oder auf einem Stuhl denn es gab keine Tische. Alleine blieb allerdings niemand lange. Kaum hatte man aufgegessen, entstanden immer wieder neue Gespräche mit verschiedensten Leuten. Hier hatten viele Großeltern oder Urgroßeltern in Deutschland, so mobilisierten wir verschiedenste Heimatgefühle von Gegenden, die wohl kaum noch jemand in Deutschland mit eben diesem Land in Verbindung bringt. So wurden wir gefragt, ob wir Rumänien, Jugoslawien, Lettland und verschiedenste andere Länder kennen würden, von wo aus ihre deutschen Vorfahren hierherkamen. Es gab auch Leute aus Hettstädt, Hamburg, München, Halle und alle versuchten sich mit den „Deutschmännern".
Am Nachmittag gab es zwei Fachvorträge von einem Arzt und einer Psychotherapeutin über Therapien für Alkohol und Nikotinabhängigkeiten. Bildung wurde hier gut Lutherisch in die aktuelle Situation übersetzt. Danach kamen die "Deutschmänner" mit einem kleinen Vortrag über die Escola und dann... mit einem kleinen Auftritt.
Die Spannung unter uns erhöhte sich in der Stunde vor der Präsentation erkennbar, denn wir mussten unser Konzept für die Präsentation festlegen. Und es war schon klar, dass wir die Herzen der Leute nicht ohne deren eigene praktische Erfahrung und ohne eine treffende Ansprache gewinnen konnten. Wenn man sich mit den Leuten unterhält und die Sprache hört, hat man den Eindruck, man begegnet einem Teil seiner Vergangenheit. „Das Deitsch, das man hier spricht, hat sich jeder eine hier behalten." Und zwar aus der Zeit der Auswanderung der Vorfahren von vor 100 oder 180 Jahren. Man bekommt eine Ahnung von „Saudade" einem brasilianischen Gefühl, das tiefer, herzlicher und lebensbejahender ist als Sehnsucht.
So entschieden wir uns für ein Capoeiralied mit langsam wachsender Sambabegleitung: „Marinheiro só" und die versammelte Gemeinde von über 200 Leuten stand, sang, klatschte und ging ab... schon mussten wir „mais uma vez" noch eins mehr spielen. Jetzt aber, so fanden wir, nur mit der Band und dem Chor gemeinsam ;-). Es wurde ein Kirchenlied mit dem Sambarhythmus aus Bahia angestimmt. Die Fotoapparate und Kameras fanden aus allen Taschen und der Saal entwickelte sich unversehens in eine muntere und fröhliche Gemeinschaft glücklicher Menschen die in eben dieser Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern ein Stück gemeinsamer Heimat gefunden hatten. Wir wurden in verschiedenste Gemeinden eingeladen; ein Programm, das wir bei dieser Reise auch nicht annähernd erfüllen könnten.
Unsere Flyer „Brücken bauen" gingen weg „wie warme Semmel", unsere Aufkleber fanden Autos und die Buttons der Escola fanden die Shirts vieler Jungen und Mädchen.
Sehr glücklich und befreit tranken wir unseren Kaffee und genossen den Kuchen (natürlich auch nach Landfrauenart!) bei zahllosen Gesprächen, bis wir als letzte den Saal mit dem Bischof und der Pfarrfamilie des Ortes verließen.
Der Kirchentag fand in dieser Art zum ersten Mal statt und wir waren überglücklich, zum Erfolg beigetragen zu haben. Bis hierher begleitete uns der Bischof der Landeskirche Paranapanema. Nun mussten wir uns von ihm vorerst verabschieden, er nahm unsere Instrumente mit nach Curitiba und brach zur sechsstündigen Rückfahrt auf.
Abends erzählte uns der Pfarrer noch von seinen Erfahrungen mit der Gründung einer Gemeinde bei landlosen Familien, wie er mit der Taufe von drei Kindern begann, ohne Kirche, ohne Haus, nur mit dem Bretterverschlag, in dem die Familie wohnen musste, und der Gemeinschaft dieser Familie. Inzwischen ist schon eine kleine Gemeinde von 25 Personen entstanden. Gottesdienste werden im Freien abgehalten. Der Bretterverschlag, ohne Fußboden, ist heute zu einem kleinen Holzhaus geworden. Nachdem die Regierung das unbebaute Land einer Familie (mit großen Besitztümern) enteignete und dieses Land auf 730 Familien ohne Land aufteilte, kam es zu diesen bescheidenen Verbesserungen der Lebensbedingungen. Jetzt konnten sie etwas Nahrung für den Eigenbedarf produzieren.
Der Abend verlief sehr herzlich und alle fielen erfüllt und erschöpft in die Betten. Morgen wieder 05.00 Uhr aufstehen, 6 Stunden Autofahrt zum Wasserkraftwerk nach Foz do Iguaçu, wo auch die größten Wasserfälle der Welt zu finden sind. Im Wasserkraftwerk bekommen wir eine Exklusivführung (sonst nicht erlaubt!).
 
 
 
 
 
 
 
 
 

+ 14.08. Paraná, paranauê, Paraná!!!

6 Stunden Autofahrt und 430 km nördlich ins Landesinnere und das Ende des Bundeslandes Paraná ist noch nicht erreicht. Es ging vorbei am Denkmal der Landlosenbewegung für die vor 10 Jahren dort von der Militärpolizei getöteten Menschen. Wir kamen durch eine wunderbare und endlos scheinende Landschaft von Wäldern, Feldern und Flüssen.
In Paraná gab es Quilombos (Siedlungen geflohener Sklaven). Wir kamen an einer solchen Siedlung vorbei, sie fiel durch die mit der Landschaft gewachsenen und der Umwelt angepassten Struktur auf. Dadurch wirkte sie sehr freundlich und friedlich. Auf dem Weg lag auch ein Camp einer landlosen Familie. Deren Wohnstätte und die Stallanlage waren ein provisorisches Camp aus Plastik, Holz und Stroh.
Von der Landlosenbewegung werden nur Ländereien besetzt, die nicht genutzt werden und bei denen die Eigentumsverhältnisse nicht eindeutig geregelt sind.
In Rolândia empfing uns ein Capoeiralehrer mit SchülerInnen aus der Gegend. Die lutherische Gemeinde arbeitet mit dem Lehrer in einem Sozialprojekt zusammen, um den Kindern eine Alternative zur Kriminalität zu bieten.
Wir wurden freundlich integriert, bekamen eine kleine Präsentation, spielten Capoeira, Instrumente und der „Pastor alemão" wurde aufgefordert, auch ein Lied zu singen. Das letzte Spiel gehörte dem Professor und dem Pastor. Am Schluss gab es natürlich Samba de Roda - und wir mussten mit den SchülerInnen tanzen ;-)
Die kleine Stadtführung mit Pastor Diego führte u.a. durch eine Favela, natürlich nur bis zu dem Punkt, von wo an die Drogendealer die Regeln bestimmen. Und kurz vor dieser Grenze trafen wir ein paar der Capoeiraschüler vom Nachmittag wieder.
Pastor Diego würde sich über Praktikanten aus der Escola sehr freuen. Wir haben dann am Abend einige Möglichkeiten für ein Praktikum durchgesprochen und Ideen entwickelt. Natürlich wurde es wieder spät ... morgen geht es 05.00 Uhr aus den Betten und zum Kirchentag.
 
 
 
 
 
 
 

+ 13.08. Ökologie, Krankenhaus und Seelsorgearbeit

Werner Fuchs ist der Name eines Pastors, den man sich merken muss. Er arbeitet in der IECLB mit dem Schwerpunkt Ökologie und Nachhaltigkeit. Sein Schwerpunkt ist u.a. die Entwicklung dezentraler, erneuerbarer Energien aus Pflanzen zur Unterstützung der Selbständigkeit und Unabhängigkeit von Kleinbauern. Er hat mit seiner Kooperative eine Maschine und ein Verfahren entwickelt, womit man kalt gepresstes Bio-Öl aus verschiedenen Pflanzen gewinnen kann. Aus den Resten kann man hochwertiges Futter, Grundstoffe für Kosmetik sowie Dünger gewinnen oder Biogasanlagen „füttern". Das Öl eignet sich als Nahrungsmittel, zur Gesundheitsprävention sowie auch als Kraftstoff für den Eigenbedarf ;-)!
Dabei bleibt man unabhängig von der Preispolitik und der Existenz von Großkonzernen, arbeitet hochgradig ökologisch und hat auch noch eine entscheidend höhere Ausbeute gegenüber herkömmlichen Verfahren der Gewinnung von Pflanzenöl. Die Öle sind außerdem auch noch qualitativ hochwertiger als vergleichbare Produkte.
Öl kann man aus über 200 Pflanzenarten gewinnen und vor allem in ALLEN Ländern der Erde! Es genügen durchschnittlich 5 % des Landes zur Gewinnung um den Eigenbedarf zu decken. Mit diesem Verfahren würden ALLE gewinnen. Hochgradig interessant und alternativ! Nach diesem Besuch mussten wir uns ein Biomittag gönnen, es ging gar nicht anders.
Bei der kurzen Verschnaufpause zu Hause fiel uns Dreien auf, dass wir sehr bemüht waren, den Müll exakt zu trennen. Hier wird nur Trocken- und Feuchtmüll getrennt und dies auch nur schlecht, so müssen z.B. die ArbeiterInnen von ZUMBI Brotreste, Kondome, Papier, Plastik, Glas, Gemüsereste mit ihren Händen auseinandertrennen.
Am Nachmittag wurden wir dann im evangelischen Krankenhaus empfangen. Dieses ist das zweitgrößte Südbrasiliens und das fünftgrößte ganz Brasiliens. Hier gehen täglich 7000 Menschen durch, ca. 3000 von ihnen sind Patienten, ca. 4000 sind Mitarbeitende. Durch die Präsidentschaft von Lula und seiner Arbeiterpartei besserte sich die Lage im Krankenhaus in den letzten Jahren entscheidend und es können z.B. neue Instrumente und Apparate zur Behandlung der Patienten eingesetzt werden.
Am späten Nachmittag waren wir bei Pastorin Vera und ihrer Seelsorgearbeit eingeladen. Durch ihre Tätigkeit als Seelsorgerin im Krankenhaus und auf dem Friedhof entwickelte sich eine kleine lutherische Gemeinde von etwas mehr als 70 Mitgliedern. Eine Praktikumsmöglichkeit fand sich auch hier, auch wenn die Gemeinde eher einen höheren Altersdurchschnitt hat, als sonst üblich. Pastorin Vera, ihr Mann und die Mitarbeitenden bestechen durch ihre tiefe und einfache Herzlichkeit.
Der Abend klang mit einer Party bei Andréas Patentante aus. Natürlich mussten wir wieder Samba spielen und die älteren Generationen sangen auch zur Begeisterung der Jüngeren. Unsere pure Existenz als deutsche Capoeira- und Sambaschule und das auch noch in der Kirche löst hier immer wieder Ver- und Bewunderung aus.
Der Großvater des Hauses sagte zum Abschied herzlich und anerkennend zu uns: „Das gibt es doch gar nicht, dass Deutsche Samba und Capoeira spielen und dass Ihr auch noch nach Brasilien kommt um hier Samba- und Capoeira  zu spielen! Das kann es doch gar nicht geben". 00.05 Uhr - morgen geht es um 05.00 Uhr aus den Betten und dann nach Rolândia, wo uns eine Capoeiragruppe erwartet und am Sonntag ein Kirchentag.
 
 
 
 
 
 
 
 

+ 12.08. Zumbi dos Palmares

Ein kalter nebliger Morgen ließ uns noch nichts von der bald aufgehenden wärmenden Sonne erahnen. Die fahrt ging mit Bischof Jorge zur Kooperative ZUMBI, wo Leute Müll trennen und sich damit eine gemeinsame Lebensgrundlage schaffen.
Begleitet wurden wir von der Pastorin Adriane, welche dort engagiert ist. Ihre Ev.-Luth. Kirchgemeinde unterstützt die soziale Arbeit in den Favelas. Wir lernten die Präsidentin der Kooperative und den Leiter der Arbeit kennen. Er führte uns durch die Hallen und unterrichtete uns über die Zusammenhänge und Grundlagen der Arbeit der Kooperative. Wir fanden dort nicht etwa „Müllmänner/-frauen", sondern einen Mann und eine Frau mit Träumen von einer ökologischen und solidarischen Welt, die ihre Ideale zäh und mit viel Schlauheit und Liebe Schritt für Schritt gemeinsam mit anderen zu realisieren wissen. Ihre Schönheit strahlte von innen und gab unserem Tag mit der gleichsam aufgehenden Sonne etwas von einem zukunftsträchtigen Morgen. Hier fanden wir potentielle „Fans" einer Capoeira- oder Sambagruppe

Danach ging es mit der Pastorin in ein Kinderheim, wo missbrauchte Kinder mit Gewalterfahrungen untergekommen sind. Dort und auch nebenan in ihrer Gemeinde gäbe es für die Escola Popular Möglichkeiten zu arbeiten.
Nach einer kleinen Mittagspause (mit Einkauf, Arbeiten an der Internetpräsentation, Auswertung der bisherigen Projekte und Vorbereitung der folgenden Begegnung) in unserem kleinen gemütlichen Häuschen ging es mit dem Bischof zur Synodenleitung.
Ziel dieser ersten Zusammenkunft ist das Aufbauen einer Partnerschaft. Wir lernten die fast komplett ehrenamtlich arbeitende Synodenleitung (mit Ausnahme der Leitungssekretärin und des Bischofs) kennen. Uns wurde die Struktur der Landeskirche von Paranapanema erklärt und wir erklärten die Struktur der EKM sowie die Arbeit und Struktur Escola Popular.

Als wir wieder zurückkamen war es 19.00 Uhr. Maik und René stimmten noch die Instrumente, während Hans-Jürgen mit Fábio weiter an der Internetseite arbeiteten. Nach einem Abendmahl mit Familie Schieferdecker (es gab wunderbares Risotto) und ein paar weiteren Absprachen ging es gegen 22.30 Uhr nach Hause.

Einige Daten der Landeskirche/Synode Paranapanema:
Paranapanema ist eine von 18 Landeskirchen in Brasilien
Durchmesser 1000 km (soweit wie von Weimar bis nach Rumänien)
17 000 Mitglieder
70 PastorInnen

(Diese Kirche ist eine Minderheitenkirche, 70% der Bevölkerung Brasiliens ist katholisch;

Auf dem Weg durch eine Favela zur Kooperative Zumbi kamen wir auf einem Kilometer an 12 neuen Evangelikalen „Kirchen" vorbei.)

 

 

 

 

+ 11.08. Besuch bei C.E.R.E.N.E.

Einkauf ist schon fast Routine...nachdem der allmorgendliche „Kampf" mit der Dusche bestanden war (sie reagiert auf Millimeterchen beim Aufdrehen des Wasserhahnes und macht mit etwas Glück das Wasser im Duschkopf mit elektrischem Strom warm...) ging es nach Lapa (ca. 60 km von Curitiba entfernt) zu C.E.R.E.N.E., einem Projekt der Synode für ein Leben ohne Drogen. Dort können 30 Personen freiwillig eine Therapie mitmachen. Der Jüngste ist 12 Jahre alt. Es gibt Landwirtschaft, Sport, Spiele, Wanderungen, Andachten, wunderschöne Natur mit beeindruckenden Sonnenuntergängen über dem Wald und vor allem eine tragende Gemeinschaft.
Hier wurde unsere Arbeit sehr begrüßt und somit fanden wir die nächsten Partner für mögliche Praktika und Projekte. In der dazugehörigen Ev.-Lutherischen Gemeinde wäre unsere Arbeit ebenfalls sehr gut platziert. In dem kleinen Ort (40.000 Einwohner) gibt es große Probleme mit Drogen und Pädophilie. Davon sind leider auch z.B. Sportgruppen betroffen und so wäre unsere Arbeit hier eine echte Alternative.
Am Nachmittag war es dann soweit: wir kauften einen Satz Sambainstrumente und ein Pandeiro. Der Händler staunte nicht schlecht, als er erfuhr, dass wir zu Hause alle Instrumente haben und diese für eine Gruppe hier benötigen. Er freute sich über unseren Aufkleber und die Buttons der Escola und wir freuten uns über den Erfolg nach einer schwierigen und langen Suche nach guten , aber preiswerten Instrumenten.
Inzwischen war es 20.00 Uhr und nach einer Suppe bei Fábios Papa brachten wir diesen „noch schnell" zum Flughafen, was sich bei dem chaotischen und dichten Verkehrsverhältnissen als pures Adrenalinerlebnis entwickelte. Als wir wieder mit Instrumenten, dem Auto vom Papa und dem Auto des Bischofs zu Hause waren, war es 23.30 Uhr und wir fielen völlig fertig in die Betten.
 
 
 
 

+ 10.08. Premiere von Baraúna und Pastor Alemão

Erster Einkauf (Brot, Eier, Tomaten, Batterien) alleine im Stadtteil!
Heute war eigentlich frei, wir wurden aber eingeladen, Capoeiraunterricht in einer städtischen Schule zu geben. Es waren 4 Klassen und 130 SchülerInnnen. Das war die Premiere von Hans-Jürgen im Capoeiraunterricht und Renés Premiere eines Capoeiraspiels auf brasilianischem Boden. Maiks professionelle musikalische Begleitung und die Übersetzungen und Animationen durch Andréa und Fábio halfen dabei sehr. Wir erhielten im Anschluss wunderbare Dankesbriefchen der SchülerInnen und die Kinder fragten gleich, wann es unseren Capoeiraunterricht in Curitiba gäbe.
Wir mussten uns wirklich Mühe geben, wieder nach Hause zu kommen, aber kurz vor dem Abschied spielte Maik Samba auf dem Pandeiro und zwei Mädchen tanzten wunderbar dazu. So viele Umarmungen und Hände gaben wir wohl noch nie gleichzietig zum Abschied.
 
 
 
 

+ 09.08. Besuch möglicher Praktikumsplätze

Den gesamten Tag wurden wir von Bischof Jorge Schieferdecker begleitet. Diesen Vormittag besuchten wir einen Kindergarten der Synode in einem kleineren Vorort (200.000 Einwohner) von Curitiba. Dort gibt es große soziale Probleme und die zweitgrößte Anzahl von Morden wegen Drogen in Paraná. Es gibt täglich Gewalt und Tote. Hier arbeitet auch die Kirchenmusikkoordinatorin der IECLB. Mit ihr besprachen wir den Sambaworkshop, welchen wir bei einem regionalen Kirchenmusikertreffen geben sollen.
Nachmittags waren wir im Alten- und Pfelgeheim der Synode zu Gast, wo mehrheitlich wohlhabende Leute wohnen. Eigentlich wollten wir dort nur kurz bleiben, dann wurden wir aber in viele herzlichste Gespräche verwickelt und sollten uns das ganze Gelände einschließlich der Landwirtschaft anschauen, was wir dann auch gerne taten. Hier gibt es auch ein einfaches Rüstzeitheim und eine Sporthalle ;-)
Beide Einrichtungen würden sich auf Praktikanten aus der Escola freuen! Interessenten können sich gerne an Hans-Jürgen wenden.
Abends suchten wir im Stadtzentrum nach Sambainstrumenten, um Workshops geben zu können.
Die Nacht verlief dann wieder sehr musikalisch. Bei einem Abendessen mit Fábios Papa, Tanten und Onkels entspann sich eine Session mit Akkordeon, Pandeiro und Tamborim sowie herzlichem Gesang. Nach deutschen Volksliedern mit Sambauntersetzung kamen wir auch zu brasilianischen Klassikern.
 
 
 
 
 
 
 
 

+ 08.08. Ein Sonntag in Curitiba

Wir besuchten den Gottesdienst der Gemeinde „Bom Pastor" und wurden freundlichst aufgenommen. Es gab großes Interesse an der Escola Popular und für jeden Vater ein Geschenk zum Vatertag. Die Besucher des Gottesdienstes waren unterschiedlich jung und alt :-), sehr gemischt. Die Arbeit mit dem Chor, der Kirchenmusik, mit den Kindern, Jugendlichen oder anderen Gemeindegruppen läuft 100% ehrenamtlich. Die Organistin arbeitet im Kindergarten der Kirchgemeinde, sie ist gleichzeitig die Koordinatorin der gesamten Kirchenmusik in der Synode von Paranapanema (so groß wie die Bundesrepublik Deutschland) und der gesamten IECLB (die Evangelisch-Lutherische Kirche Brasiliens und 25mal so groß wie Deutschland) und das ehrenamtlich!
Am Abend waren wir in einem Club in der Innenstadt. Dort spielte eine abgefahrene Band brasilianische „Volkslieder".
 
 
 

+ 07.08. Ankunft und Premiere von Batuqueiro

Unser kleine Delegation, bestehend aus René Obst, Maik Becker, Andréa Schieferdecker, Fábio de Castilhos Lima und Hans-Jürgen Neumann, landete gut in Curitiba und wurde in der Synode Paranapanema sehr freundlich aufgenommen. Der Winter kommt einem hier wie ein guter Frühlingstag oder ein mittelmäßiger Sommertag in Deutschland entgegen. Die Nächte sind allerdings recht kalt. Auffällig sind hier die großen sozialen Unterschiede unter den Menschen sowie das nebeneinander von Gegensätzen. Favelas, in denen Menschen mit dem Sammeln und dem Trennen von Müll etwas zum Überleben verdienen müssen, stehen neben Hochhäusern, großen Einfamilienhäusern oder Luxusvillen. Hinter kleinen Häusern ragen Hochhäuser in den Himmel. Dazwischen Palmen und Pinien.
Nach letzteren hat die Stadt Curitiba ihren Namen in der Sprache der Ureinwohner bekommen. Es gibt hier immer noch viele und markante große Pinien. Die Begegnungen mit dem Bischof der Synode von Paranapanema, Jorge Schieferdecker und seiner Familie halfen uns von der ersten Stunde an verschiedenste Menschen kennen zu lernen. Das Programm sieht sehr straff und vielfältig aus.
Heute besuchten wir u.a. eine kleine Kneipe in welcher Samba gespielt wurde. Maik hatte seine Premiere auf brasilianischem Boden Pandeiro und Rebolo gemeinsam mit anderen Musikern in einer Pagodeband zu spielen.
 
 
 
 

+ 05. und 06.08. Escola unterwegs

Sehr aufgeregt starteten wir zu fünft. Andréa und Fábio hatten die Reise sehr professionell vorbereitet, nun waren sie auch recht aufgeregt. Fábios Bruder half uns, die Flugtickets umzubuchen, so dass wir ab Sao Paulo noch Plätze in einem gemeinsamen Flugzeug nach Curitiba bekommen konnten.
Dort wurden wir von Andréas und Fábios Papa abgeholt. 8 große Koffer, 2 große Rucksäcke, 5 x Handgepäck und 7 Personen in zwei Kleinwagen zu transportieren war eine erste gelungene brasilianische Erfahrung. Wir wurden sehr herzlich im Hause der Familie des Bischofs aufgenommen und durften das erste brasilianische Festessen mit der ganzen Familie genießen, was uns in jeder Hinsicht sehr gut tat.
Am Abend ging es in ein kleines Holzhaus der Gemeinde, wo wir eine romantische Unterkunft im Garten einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin vorfanden... Blumen auf dem Tisch, die Generalreinigung für uns war dem Haus überall anzusehen, Decken & Verpflegung für unser Wohlbefinden... wir hatten bei aller Erschöpfung von der Reise das Gefühl zu Hause zu sein.
 
 

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