Escola Popular

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
TAGESLOSUNG

24.05.2017

So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.
5.Mose 7,9

Jesus betet:  Das ist das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.
Johannes 17,3

SOZIALE NETZWERKE

Über SambaÜber Samba

Was ist Samba? Hier können Sie mehr erfahren über historische und gesellschaftliche Hintergründe des Samba.

+ Allgemeine Einführung

Aus der Seminarfacharbeit 12. Kl. von Stephanie Becher, ergänzt und überarbeitet.

Samba ist, neben der Capoeira und dem Candomblé, eine der bedeutendsten afrobrasilianischen Musiküberlieferungen. Der Begriff steht sowohl für die Musik als auch für den Tanz.

Das Wort samba stammt vermutlich aus dem Angola- oder Kongosprachgebiet. Dort hat der verwandte Ausdruck semba die Bedeutung des Händeklatschens oder der Tanzaufforderung. Aufgrund dieses afrikanischen Ursprungs hat er für die Brasilianer eine traditionelle Bedeutung.
Er wird im 2/4 Takt gespielt mit Betonung auf dem zweiten Beat. Musiziert wird durch Gesang (Strophen- Refrainstruktur) auf Saiten- und Perkussionsinstrumenten (Variationen auch mit Bläsern).

Die Trommel- und Rasselspieler werden 'sambistas' und in ihrer Gesamtheit als Gruppe 'bateria' genannt. Vorgänger des Samba sind neben afrikanischen Musikkulturen auch die Marcha, die europäische Polka, die kubanische Habanera und der Maxixe. Der Samba weist im Gegensatz zu diesen einen weniger formalen Klang auf, was durch eine stärkere Betonung auf Wechselgesang und -spiel der Perkussions-Elemente geschieht.

Die Blütephase der aus Rio stammenden Samba-Kultur, wie die Samba-Arten 'batucada' oder 'pagode', befand sich in der Zeit von den sechziger Jahren bis zu den Anfängen der neunziger. Für viele sambistas waren zu dieser Zeit „...die kommerziellen Interessen wichtiger als die kulturellen...". Während seiner steigenden Popularität verkam, „...was einst spontan war [...] zur Zeremonie", so der Samba-Künstler Paulinho.

Nicht nur während der Versklavung auf den Plantagen und Farmen im 19. Jahrhundert, sondern noch heute wird Samba als Sprachrohr der unteren Schichten genutzt. Seit dem hundertjährigen Jubiläum der Abschaffung der Sklaverei (1988) gewann der neue Sound von Salvador da Bahia an Bedeutung für die Brasilianer - Sambareggae und der ungebundenere Straßenkarneval der Stadt spiegeln den modernen Geist des Landes wieder. Er ist mit Brasilien so tief verbunden, dass er sich für viele Brasilianer, besonders für die schwarzen Bevölkerungsschichten zu einem Lebensgefühl entwickelte. Er ist „Trostspender, Freudenfest, Flucht aus der Wirklichkeit, Ausgelassenheit; obendrein Philosophie, Kultur und Tradition". In seinem Buch „Samba da minha terra" meint der Musiker Dorival Caymmi, „wem Samba nicht gefällt, dem kann es nicht gut gehen; entweder hat er Kopfschmerzen oder einen wehen Fuß."

Samba stellt wie die Capoeira in Brasilien einen „Ausdruck kulturellen Widerstands" dar, da er in der Zeit der Unterdrückung der afrikanischen Kultur durch den Staat trotz Verbots überlebte.
Der Karneval Rios dient durch die Umkehrung der Werte zur Hervorhebung der gesellschaftlich unterdrückten Schichten. „Der festliche Umzug stellt für die Leute eine Art Selbstverwirklichung dar. Sie fühlen sich wie Könige für einen Tag", so Herminio Marques Dias Filho, Leiter einer Sambaschule. Viele Themen der Paraden fordern daher Anerkennung und soziale Gerechtigkeit.
Obwohl man Samba „nicht in der Schule lernen kann", organisieren die Sambaschulen, sogenannte 'escolas de samba', den Karneval Rios. Die escolas werden von 'mestres' (Meistern) geführt. Sie prägen ihren eigenen Stil im Spiel und der Kleidung. Manche escolas wachsen zu regelrechten sozialen Bewegungen an. Sie haben die Funktion von Freizeitclub, Förderschule und Kinderhort, Näherei, Sozialamt, Arbeitsamt... Ihre Mitglieder und die Stadtteile, denen die escolas zugehören, werden bei Krankheitsfällen und in finanziellen Notlagen unterstützt. Zudem schaffen sie viele Arbeitsplätze während der Vorbereitungen der Umzüge. Samba und dessen escolas geben der armen Bevölkerung eine Beschäftigung und verhindern dadurch deren Abrutschen in die Kriminalität, welche in Brasilien nach wie vor ein alltägliches, soziales Problem darstellt. Damit wird eine soziale Funktion erfüllt, die u.a. vergleichbar mit der von Capoeira und den escolas de capoeira ist.

Durch diese Umstände herrscht nicht nur eine intensive Verbindung vieler Brasilianer zur Musik und zum Tanz, sondern ebenso zu den Samba-Schulen. Die sonst gemiedenen, ärmeren Leute der Städte (hauptsächlich Schwarze und Farbige) werden dort während der Karnevalsumzüge von Jedermann bewundert.

Nicht nur während der Karnevalszeit spielt man Samba. Ausgeübt wird er bei fast allen Festlichkeiten in Brasilien, z.B. auf Hochzeiten, Taufen und Geburtstagen.

Samba verbindet sich mit verschiedenen kulturellen Elementen, u.a. musiziert man ihn in Form des 'samba de roda' nach einem Capoeira-Spiel. Manchmal ist sein Rhythmus auch Teil eines religiösen Repertoires im candomblé. In diesem Zusammenhang wird eine weitere soziale Komponente des Sambas deutlich. Während bei der Capoeira früher nur Männer antreten durften und die Rituale beim candomblé nur von Frauen vollzogen werden, sind beim Samba männliche und weibliche Teilnehmer jeder sozialen Schicht und jeden Alters zugelassen. Man kann sagen, Samba verbindet alle Menschen miteinander und hilft, einen sozialen Frieden herzustellen.

Die erste Sambagruppe Thüringens („Percussion Popular") wurde im Jahr 2000 in der Ev. Schülerarbeit von Hans-Jürgen Neumann und Maik Becker gegründet. Sie diente als Ergänzung der damals schon ausgeprägten Arbeit mit der Capoeira in Form der „Capoeira Popular". Ziel war neben der musisch kulturellen Förderung der Mitglieder auch die Förderung deren Selbst- und Sozialbildung im Zusammenhang mit kirchlicher Jugendarbeit, sowie die Bereicherung kirchlichen wie profanen Lebens. Natürlich sollte dabei der gemeinsame Spaß und die Freude im Vordergrund stehen. Diese aktivierende Pädagogik sollte als neue Form evangelischer Bildungsarbeit die Schülerarbeit prägen und führte zur Gründung der „Escola Popular" im Jahr 2004.

+ O mistério do samba - Das Geheimnis des Samba

Essay von Sue Bähring, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Romanistik

Auf den Spuren des Geheimnis des Samba muss man sich zunächst einmal mit dem historischen Kontext Anfang des 20. Jahrhunderts in Brasilien befassen.

Es kam zur „Italianisierung", zu einem interkulturellen Austausch zwischen Brasilien und Portugal und zu einer Europäisierung. In Rio de Janeiro sollte ein neues Paris gebaut werden und so gab es große städtische Reformen, durch die die Armen aus dem Zentrum der Stadt vertrieben wurden. Unter ihnen waren auch viele schwarze Bahianer (Bewohner des Bundestaats Bahia), die afrikanische Riten und afro-brasilianische Rhythmen mitbrachten, die bald in den Samba einflossen.

Während dieser Zeit bildeten sich 2 Arten des Samba heraus: Moderner Samba und alter Samba. Letzterer wurde hauptsächlich auf den Festen der Tias (port.: Tanten), Bahianerinnen die im Zentrum Rio's wohnten, gespielt. Wichtig ist hier vor allem Tia Ciata, die befreundet war mit Donga und Pixinguinha, welche den ersten Samba „Pelo telefone" auf einem ihrer Feste komponiert hatten. Der moderne Samba hingegen entstand auf den morros (port.: Hügel), dort wohin die Armen vorher vertrieben wurden, und ist später auch als Samba de morro bekannt geworden. Allerdings war Samba, genau wie andere „schwarze" Riten, eine Zeit lang verboten. So stellt sich also die Frage: Wie konnte Samba zur Nationalmusik Brasiliens werden?

Nun wieder zurück zum Geschichtlichen. Als die Monarchie in Brasilien abgeschafft wurde, gab es keine Einheit mehr, keine Helden und keine Symbole und somit auch keine wirkliche Nationalität. In der nun bestehenden Republik hatten die Bundesländer unterschiedliche Mächte, was auch nicht sehr dienlich für ein Einheitsgefühl war. Deshalb wurde die Musik sehr wichtig und spielte eine spezielle Rolle. Doch dazu später mehr. Vorher möchte ich auf die „Rassenmischung" eingehen, die einen nicht unwichtigen Teil in der Geschichte des Samba einnimmt. Es existieren 3 verschiedene Perspektiven auf die „Rassenmischung". Ein pessimistischer Blick, wo der Mestize als Sündenbock dargestellt wird, ein realistischer Blick und ein romantisch-positiver Blick, welchen auch Gilberto Freyre (bras. Soziologe und Anthropologe) hatte. Es gab Anfang des 20. Jahrhunderts eine romantische Bewegung, genauer gesagt die Glorifizierung der Indigenen und für Gilberto Freyre war die Mischung einzigartig und deshalb anzustreben. Nicht zuletzt auch durch Freyres Werke kam es 1926 zu einer internationalen Aufwertung der Mischung und von „schwarzen" Dingen. Jedoch wurden seine Ideen inspiriert durch sein Studium in den USA, wo er auch bei Franz Boas lernte. Boas fungierte hier als kultureller Mittler.

Es gab aber noch weitere wichtige kulturelle Mittler, wie zum Beispiel der französische Poet Blaise Cendrars. Er lehrte der Carioca-Elite (port.: carioca = Bewohner von Rio de Janeiro), den brasilianischen Modernisten, den Respekt vor schwarzen bzw. brasilianischen Dingen. Cendrars machte mit ihnen eine Reise durch den Bundesstaat Minas Gerais, wobei deren „Entdeckung Brasiliens" stattfand. Diese Entdeckung war ein Teil des Übergangs von einer Phase der Modernismus zu einer anderen und genau hierin kann man das Geheimnis finden. Während dieses Übergangs wurde auch das Theaterstück „O contratador de diamantes" von Afonso Arinos zum ersten Mal aufgeführt. Dieses war sehr populistisch-nationalistisch und vor allem tanzte in der Aufführung ein Schwarzer Congada (dramatischer bras. Volkstanz) zu authentisch schwarzen Trommeln, was vorher undenkbar gewesen wäre. Es kam weiterhin eine nativistische Mode bei fast allen Dingen auf, welcher die Modernisten auch schon vor dem Treffen mit Cendrars nicht ausweichen konnten. Eine Malerin beispielsweise servierte in Paris ihren Gästen feijoada.

Bei der „Entdeckung von Brasilien" zeigte Cendrars der Elite nämlich keine fremden, neuen Dinge, sondern sehr Familiäres, wie es auch bei Freyre war, als er Boas' Ideen aufnahm.
Ein weiterer internationaler Mittler war Darius Milhaud, welcher zwischen 1914 und 1918 in Brasilien Heitor Villa-Lobos traf und von diesem unter anderem die brasilianische Musik und afro-brasilianische Riten gezeigt bekam. Als er zurück in Paris war, schuf er viele Werke mit brasilianischer Inspiration. Die brasilianische Kultur strömte also ständig nach Europa und zurück, es fand eine Transkulturation, eine Umgestaltung statt. So bekam die brasilianische Kultur auch europäische Einflüsse und umgekehrt.

Auch der Autor Mário de Andrade unterstützte die Nationalisierung, wie man an seiner sehr nationalistischen Novelle „Macunaíma" erkennen kann. Hier ist der Protagonist nämlich ein Mestize. Allerdings war er gegen puren Exotismus (Vorliebe für Exotisches, Fremdes), weil dieser das brasilianische Dasein verfälschen würde. Doch bei Musik suchten Europäer nur nach dem was würzig und ungewöhnlich war.

Aber was ist eigentlich brasilianische Musik? Tatsächlich alles, was in Brasilien gemacht wird, aber dennoch sollten sich die Komponisten an der Folklore orientieren und die musikalischen Charakteristiken der Rasse sollten in der Musik reflektiert werden. So spiegelte sich die nativistische Mode auch in der Musik wieder. Eine Nationalmusik wurde nun obligatorisch.
Seit Anfang 1920 gab es nun auch das ideale Medium für Einigkeit auf nationaler Ebene: das Radio. Zuerst wurde nur klassische Musik und Bildungslektüre für die oberen Schichten gesendet bis unter Vargas' (Präsident Brasiliens von 1930-1945 und von 1950- 1954) Projekt der nationalen Einheit auch kleine Orte öffentliche Lautsprecher bekamen, um über nationale Dinge informiert zu sein und schließlich 1932 auch populäre Musik gesendet wurde. Die größten Programme hatten ihren Sitz in Rio de Janeiro, wie auch die vielen neuen Aufnahmestudios, die durch den wachsenden Plattenmarkt entstanden. Und alle brauchten Musiker. Dadurch konnte sich der Carioca-Samba langsam zum brasilianischen Samba entwickeln.

Anfang des 20. Jahrhunderts existierte eine extreme Varietät an Stilen, doch keiner, außer dem Samba, konnte weder den Carnaval dominieren, noch national werden und so wurden andere Stile zu regionalen Stilen. Man suchte eben nach dem, was am meisten brasilianisch in Brasilien ist und diesen Status erhielt sodann der Carioca-Samba.
Die Sambistas (port.: Sambaspieler) wurden von der Ober- und Mittelklasse unterdrückt, aber dennoch geschützt, wie die Geschichte von João da Bahiana zeigt: João spielte sein tamborim auf einem Straßenfest, wo ein Polizist es ihm wegnahm, mit der Begründung, Samba sei verboten. Wenig später wurde João von Senator Machado Pinheiro eingeladen in dessen Haus zu spielen und bekam ein neues tamborim mit Widmung geschenkt.

Es hängt zudem ein volles Netz kultureller Mittlung mit der Entdeckung des Samba als Nationalmusik zusammen. Bei der Eröffnung des Palais Theater wollte dessen Manager die Caxangá Gruppe in kleinerer Besetzung dabei haben. So entstanden die Oito Batutas, die sehr berühmt wurden, aber eigentlich noch keinen „wirklichen" Samba spielten. Die Musiker waren fast alle schwarz, was zu einer absehbar negativen Reaktion führte, doch ein Jahr später wurde die Gruppe eingeladen zum Besuch des belgischen Königspaars zu spielen. Später waren in ihrer Musik auch Einflüsse von Jazz und anderen Stilen zu finden, was schlechte Kritiken brachte. Man war der Meinung, die brasilianische Kultur müsse auf alle Kosten geschützt werden und dürfe nicht vermischt werden.

In Rio de Janeiro suchten fortan mehrere junge Männer der Mittelklasse engeren Kontakt mit dem Samba und dieser wurde so zum geteilten musikalischen Idiom. Alle neuen Gruppen und Stile wurden inspiriert von anderen und 1929 wurde auch zum ersten Mal Samba mit batucada (port.: das Trommeln) aufgenommen. Noel Rosa, einer der Männer aus der Mittelklasse, versuchte einen authentischen Stil zu haben. Dazu wollte er immer wissen, was man in den favelas (bras. Armenviertel) gerade spielte und wollte Ideen austauschen. Er stellte insofern einen Mittler zwischen der Mittel- und Unterschicht dar.

Während Carnaval hat sich der neue Samba kristallisiert und wurde als Samba de morro bekannt, denn der alte Samba war nicht gut für den Carnaval, also bekam er einen neuen Rhythmus und wurde zum „wahren Samba". 1935 gehörte dann die Sambaschulen-Parade zum offiziellen Programm des Carnavals und wurde von O Globo, der größten Zeitung Rio's, gesponsert mit den Bedingungen, dass keine Blasinstrumente verwendet werden dürfen und es Frauen als Bahianerinnen verkleidet geben muss. Seit 1937 schließlich sollten die Schulen, unter Vargas' Anordnung, historische, didaktische oder patriotische Themen aufführen.
So wurde Samba auch außerhalb des Carnaval schnell national. 1936 beispielsweise wurde in der Radiosendung „Hora do Brasil" Musik der Sambaschule Estação Primeira de Mangueira an Nazi-Deutschland übertragen. Damit repräsentierte die Samba, auch im internationalen Kontext, musikalisch Brasilien. Diese Nationalisierung fand also während des Zweiten Weltkrieges statt, ist aber Teil eines größeren Nationalisierungs- und Modernisierungsprojektes unter Vargas gewesen.

Der Samba ist ohne Definition entstanden, aber entwickelt sich langsam selbst zu einer Definition, was allerdings ein immenser Schwachpunkt ist. So würde er, ohne sich zu verändern irgendwann sterben. Er sollte sich also mit dem Nationalgefühl zusammen täglich neu erfinden und anpassen um weiterzuleben.

So plötzlich, wie das Geheimnis des Samba erscheint, ist es also nicht. Dahinter steckten viele Jahre, viele Begegnungen, Ereignisse und Mittler und nun assoziiert jeder Brasilien mit Samba, einer sehr faszinierenden Nationalmusik.

zurück Mai 2017 weiter
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031