Escola Popular

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TAGESLOSUNG

26.04.2017

Gott, der du uns viel Angst und Not hast erfahren lassen, du wirst uns wieder beleben.
Psalm 71,20

Jesus spricht:  Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!
Johannes 14,1

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Unterstützung für Américo

vom 18. bis 28. Januar 2011 in Arnstadt
 
Als Gabi Damm aus dem Marienstift bei Hans-Jürgen anrief und um Hilfe in einem speziellen Fall bat, war die Antwort schnell gefunden: Die Escola kommt, wir helfen!

Américo, ein 5jähriger angolanischer Junge, kam über ein Kinderdorfprojekt nach Deutschland. Er musste seine Familienangehörigen verlassen und sich ganz alleine auf eine große Reise begeben. Der Ausgang war ungewiss und unterwegs hatte er bis jetzt keine Möglichkeiten sich zu verständigen. Américo wurde vom Chefarzt Sebastian Senst operiert und das Marienstift übernahm die Kosten der Operation. Beide Füße brauchten durch eine Sehnenverkürzung chirurgische Eingriffe, damit Américo bald wirklich laufen kann.
Im Marienstift herrschte bereits etwas Ratlosigkeit bei dem Personal, denn die medizinische Fachkompetenz und das große Herz sowie die Kreativität der Helfenden vom Herzblatt e.V. stießen an die Grenze der Kommunikation. Bei Américo herrschte deshalb große Verzweiflung und Angst, er wusste überhaupt nicht, was mit ihm passierte. So konnten wir unsere sprachliche und - wie sich herausstellte - noch viel mehr unsere kulturelle Kompetenz einbringen. Das so entstandene Trio Fachklinik / Herzblatt e.V. / Escola Popular entpuppte sich als wirkliches Kompetenzdreieck.

Für mich als Leiter der Escola Popular war klar, dass ich den kleinen Mann nicht alleine lassen würde und warf meine beginnenden Sprachkompetenzen für ihn in die Waagschale und schickte unsere ehrenamtlichen Mitarbeitenden sowie unsere brasilianischen Mitarbeiter in die Spur. Ihnen ging es wie mir, alle entwickelten spontan Engagement und Ideen. Am Tage des Anrufes landete Lucas aus Paraná bei uns in Thüringen. Er sollte die Escola Popular der EKM für 3 Wochen begleiten, ihre Samba- und Capoeiraschule sowie ihre Gemeinde kennenlernen. So war sein erster Tag geprägt von der Begegnung mit dem kleinen Américo. Als dieser die ersten Worte auf Portugiesisch hörte war er sichtlich ergriffen und weinte sofort los. Es gelang uns mit ihm ein paar Worte zu wechseln. Er verschanzte seine kleine Seele hinter einer dicken Eisschicht aus Schweigen, um in der Fremde irgendwie nicht unterzugehen. Als er Lucas schließlich sagte, dass er glaube, nie wieder laufen zu können, blieb dieser spontan noch drei Stunden länger im Marienstift.
Klar, dass da auch die Bemühungen der Mediclowns nicht weit kamen. Diese Aussichten kamen einem Alptraum schon sehr nahe: niemals laufen zu können und dazu zwei riesige Gipse an beiden Beinen und Füßen zu haben, gepaart mit der Vorstellung niemals wieder nach Hause zu kommen und sich unterhalten zu können.
Lucas befragte den Arzt Sebastian Senst im Beisein von Americo, ob das wirklich stimme.
Auf diese Weise erfuhr Américo, dass er bald alleine laufen soll und dann wieder nach Hause kommt.
Das Ergebnis war: Américo entwickelte sich in wenigen Minuten vom Nichtesser zu einem Allesaufeinmal- und Vielesser, mit der ausgeprägten Vorliebe für Brot mit BUTTER und für Wurst und Fleisch. Mit dem Essen kam auch sein Lachen wieder. Dadurch konnten nun auch die besorgten Schwestern auf der Station aufatmen.
DANKE LUCAS! Die nächsten zwei Wochen wurden durch weitere Besuche von Sue, Sylvia, Eilika, Andréa, Fábio sowie von Lucas und Hans-Jürgen ausgestaltet.
Américo zeigte in dieser Zeit Freude, Intelligenz und eine riesengroße Menge Mut.
Alles Gute auf Deiner Reise Américo!