Escola Popular

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TAGESLOSUNG

24.03.2017

Er wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande.
Jesaja 11,4

Jesus spricht:  Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.
Lukas 6,20

SOZIALE NETZWERKE

Die Entstehung der EscolaDie Entstehung der Escola

Die Escola Popular entstand im Rahmen der Bildungsarbeit evangelischer SchülerInnenarbeit in Thüringen unter Leitung von Hans-Jürgen Neumann.

Die Anregung zunächst mit Capoeira in der Kirche zu arbeiten kam von einer Schülerin, welche inzwischen selbst Musikerin und Pädagogin ist.

Grundgedanke war, die Impulse aus dem Ökumenischen Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (Umweltschutz) aus den 80ger Jahren für die Menschen von heute ganzheitlich erfahrbar zu machen.

Die Capoeira bot dafür verschiedene Ansätze mit ihrer Geschichte, ihren Liedern und ihren Bewegungen, unabhängig von intellektuellen Möglichkeiten oder religiöser Prägung der Einzelnen.

Damit eröffnete sich für verschiedene Menschen die Chance und eine neue Möglichkeit mit Evangelischer Kirche in Kontakt zu kommen oder sie von einer offenen und fröhlichen wie bewegten Seite kennen zu lernen.

Später wurde dann der inzwischen erprobte Ansatz erweitert und mit einer Samba-Batucada (Sambatrommelgruppe) umgesetzt.

Durch die Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten, an Schulen, in der Arbeit mit Kindern, der Jugend- und Gemeindearbeit, therapeutischer Arbeit, der Gewalt-, Gesundheitsprävention sowie bei verschiedensten öffentlichen Anlässen, konnte ein evangelischer Bildungsansatz entwickelt werden.

Das Evangelische Profil begründet sich durch das befreiende Wirken Gottes in der Welt und konnte unter Mitarbeit von Maik Becker, Dirk Marschall, Ruben Marschall, Renate Konrad, Mario Dirks, Jakob Schneider, Stephan Müller, Michél Sanchez Sanchez, unserer ehrenamtlichen LeiterInnen, unserer Mitglieder sowie u.a. auch der KollegInnen des Kinder- und Jugendpfarramtes, geschärft werden.
Von diesen Erfahrungen ausgehend ist die Escola Popular auf dem Weg zu einer Profilgemeinde innerhalb der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

+ Rückblick SchülerInnenarbeit in Thüringen

...von 1992 bis 2008

Interview mit Hans-Jürgen Neumann

Zur Person:

geb. 26.08.1960 in Eisenach (DDR)
Töpferlehre im Töpferhaus Stalzer in Schönau an der Hörsel,
kirchlicher Fernunterricht am Burghardthaus der DDR, Wehrdiensttotalverweigerer - U-Haft in Erfurt,
Studium der Gemeindepädagogik in Potsdam, Gemeindepädagoge/Religionspädagoge FH,
Ordination, Seelsorger (KSA im Thüringer Seelsorgeseminar),
Systemischer Familientherapeut (Kasseler Institut für Systemische Therapie und Beratung),
Verheiratet, drei Kinder, drei Enkelkinder.

1. Dein Werdegang in der SchülerInnenarbeit.

Nachdem ich als Junger Erwachsener durch die offenen und politischen Angebote der Schülerarbeit in Thüringen in den 70ger und 80ger Jahren in den christlichen Glauben wachsen konnte, schätzte ich in den 90ger Jahren einzelne Persönlichkeiten und das ehrenamtliche Engagement besonders. Ich wurde 1992 im Vorbereitungsdienst aus der Gemeinde Saalfeld zur Schülerarbeit in Thüringen geholt und 1993 zu deren geschäftsführendem Leiter durch die Kirchenleitung berufen. Nach der Konsolidierung der Thüringer Landeskirche wurde ich Mitte der 90ger Jahre Referent für SchülerInnenarbeit in der Landesstelle für Jugendarbeit, welche seit 2007 zum Kinder- und Jugendpfarramt der EKM umgebaut wird.

2. Welche Eindrücke/erinnerungen möchtest Du weitergeben?

Die SchülerInnenarbeit in Thüringen war von großer Selbständigkeit gegenüber regionaler Gemeindearbeit geprägt. Sie vereinte junge Menschen aus verschiedensten Regionen, die sich bewusst mit sich und ihrer Umwelt auseinandersetzen wollten. Dabei waren Leute mit wie welche ohne kirchliche Bezüge selbstverständlich miteinander engagiert. Man konnte sich als Junge Gemeinde und als PartnerIn in der einen Welt Gottes begreifen lernen. Hierfür wurden Schutzräume bei Rüstzeiten und öffentlichen Veranstaltungen geschaffen.

3. Welche inhaltlichen Fragestellungen haben die SchülerInnenarbeit zu Deiner Zeit am meisten bewegt?

Die Themen waren stark von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung geprägt. Dann ging es natürlich auch um eine gute und gelingende Zeit miteinander. Ab Mitte der 90ger Jahre drängte sich die Suche nach TeilnehmerInnen für thematische Veranstaltungen infolge starker Reduzierung der Mitarbeiter und Sachkosten auf. Zeitgleich wurde ein Impuls einer Ehrenamtlichen aufgenommen. Von einer Bildungsreise aus Brasilien kommend, hatte sie die Idee Capoeira (ein Kampf- und Tanzsport) als Methode einzusetzen und als neuen körperbezogenen Ansatz der thematischen Arbeit für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung nutzbar zu machen.

4. Welche wichtigen Entwicklungsschritte konnten vollzogen werden?

In den Jahren von 1994 bis 2008 entwickelte ich diesen Ansatz zu einer aktiven und aktivierenden Methode kirchlicher Arbeit, welche als „Escola Popular" ihren höchst innovativen Charakter in die Gemeinden, auf Kirchentage, zu Demonstrationen und in weitere gesellschaftliche Räume im Bereich Kultur, Sport und Politik trägt. Dabei erreichten wir SchulabbrecherInnen wie promovierte AkademikerInnen sowie Teilnehmende verschiedenster Altersgruppen. Im Jahr 2000 begann ich mit dem Schlagzeuger Maik Becker eine Sambapercussionsgruppe aufzubauen, um die Basis der Arbeit zu erweitern. Seit 2007 wurde mit dem Ansatz der Escola Popular und der Offenen Arbeit ein Bildungsschwerpunkt mit bildungsfernen Kindern und Jugendlichen im Auftrag des Sozialministeriums in Thüringen erfolgreich umgesetzt.
Höhepunkte in unserer Arbeit waren:
- 2004 die Gestaltung des kleinen kulturellen Programms zur Verleihung des Goldenen Kugelkreuzes durch die AEJ an Bundespräsident und Bruder Johannes Rau im Schloss Bellevue,
- die Mitgestaltung des Abschlussgottesdienstes zum DEKT in Hannover 2005, wo wir maßgeblich zu dessen offenen und lockeren Charakter beitragen konnten,
- 2006 der Auftritt zur Fussball-WM in Kaiserslautern, wo wir mit dem dortigen Jugendpfarramt kräftig mitmischen konnten,
- der Gottesdienst zur Wiedereröffnung des Zinzendorfhauses in Neudietendorf 2007, wo wir Kirchenlieder mit Sambapower präsentierten,
- sowie 2008 unser erstes Konzert in der Oberkirche zu Arnstadt im Rahmen unserer Projekttage City of God.

Nachdem die VerantwortungsträgerInnen in der EKM, mit der neu erarbeiteten Konzeption des Kinder- und Jugendpfarramtes, Bildungsarbeit nicht mehr als Kernaufgabe für das Amt und seine Mitarbeitenden definieren, muss nun auch die SchülerInnenarbeit und deren ReferentInnenstelle im Bereich der EKM neu beschrieben werden.
Gleichzeitig ist die Escola Popular als eine der prägnantesten und innovativsten Ausprägungen der SchülerInnen- und Jugendarbeit in Thüringen und der EKM über ihre eigenen Schuhe hinaus gewachsen.

Dies führte dazu, dass nun eine Konzeption für die Escola Popular als eigenständige Gemeindeform entwickelt wird, um sie auf der theologischen Grundlage des befreienden Handeln Gottes in der Welt auch für unsere Kirche in Zukunft weiterhin Gewinn bringend nutzbar zu halten.

Die Escola Popular orientiert sich mit Samba und Capoeira an zwei der vielfältigen kulturellen Äußerungen Brasiliens und interpretiert sie als evangelische Bildungsarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und darüber hinaus.
Capoeira und Samba entstanden mit afro-brasilianischen Wurzeln in den Elendsvierteln, den Favelas. Beide bilden Identitätspole im Kampf gegen unwürdige Lebensverhältnisse und haben inzwischen eine große integrative Kraft in allen Bevölkerungsschichten Brasiliens entwickelt.
Wir nutzen diese integrative Kraft für die Menschen hier und vermitteln damit Lebensfreude, Spaß an Bewegung und Musik sowie am Umgang mit sich und anderen.
Mit diesen außergewöhnlichen Aufbrüchen bilden wir eine Interessengemeinde als eine neue Form der Gemeindearbeit im Kontext ökumenischer Verantwortung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, zu der jedeR herzlich willkommen ist.

5. Was möchtest Du der SchülerInnenarbeit/Schulbezogenen Kinder- und Jugendarbeit, die sich in der Geschäftsstelle der aej neu konstituiert hat mit auf den Weg geben?

Die drei klassischen Schwerpunkte der Schülerarbeit im überregionalen Kontext: A) inhaltliche Arbeit und Positionierung zu Themen der Gerechtigkeit, des Friedens und der Schöpfungsbewahrung, B) eigene spirituelle Erfahrungen und C) Gemeinschaft, als Bildungsarbeit für die Jugendlichen, damit auch für unsere Kirche zu begreifen und zu bewahren, wäre ein schönes Ziel. Dabei sind bei dem gegenwärtigen, regressiven Kurs der Landeskirchen auch neue Partner und Ideen zu finden, sicher auch unkonventionelle Wege zu gehen. Damit das Ziel „Kirche der Freiheit" auch schon unser Weg ist.

Hans-Jürgen Neumann

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