Escola Popular

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TAGESLOSUNG

28.05.2017

HERR, du siehst es ja, denn du schaust das Elend und den Jammer; es steht in deinen Händen.
Psalm 10,14

Jesus ließ die Menge zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften.
Lukas 9,11

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Über CapoeiraÜber Capoeira

Capoeira als neue körperbezogene, spirituelle, aktive wie aktivierende Pädagogik

Capoeira ist eine Mischung aus Tanz und Kampfsport. Mit geradezu akrobatischen Figuren und unter Einsatz aller Körperglieder spielen zwei Kampftänzer/innen ein Spiel körperlicher Annäherung und Ausweichens.

Dabei sind sie umringt von anderen singenden und klatschenden Kampftänzer/inne/n. Sie nähern sich in ihren Bewegungen blitzschnell ihrem/r Partner/in an, ohne ihn/sie jedoch zu berühren, denn dieser reagiert mit einer Ausweichbewegung, um daraus wiederum einen Angriff zu machen. Das erfordert Koordination, Spontaneität und Ausdauer, aber vor allem Respekt vor dem/r Gegner/in. Denn wer seinen Körper so schnell und kraftvoll einsetzt, setzt körperliche Gewalt ein und muss sie kontrollieren.

Capoeira ist ein Dialog ohne Worte. Sie ist Kampf, Tanz, List, Spiel und Spaß. Sie ist eine Körperkunst mit Musik und Akrobatik. Capoeira wurde von afrikanischen Sklaven entwickelt, die seit Beginn des 16. Jahrhunderts nach Brasilien gebracht wurden. Während in Europa das Zeitalter der Glaubenskämpfe mit Reformation und Gegenreformation begann, eroberten sich die Portugiesen von Nordosten her den halben Kontinent Südamerikas. Afrikanerinnen und Afrikaner kämpften unter den vernichtenden und menschenverachtenden Verhältnissen der Sklaverei darum, ihre Identität und Würde nicht ganz zu verlieren. In den freien Minuten „unterhielten" sie sich mit Capoeira, dabei schulten sie ihren Geist und Körper für ein würdevolles Leben. Später wurde Capoeira von geflohenen Sklaven in selbstverwalteten Dörfern, den Quilombos, zur Verteidigung weiterentwickelt. Der Charakter der Capoeira spiegelte sich auch in der Kriegsführung der ehemaligen Sklaven gegen die koloniale Übermacht wieder. „Palmares", die Republik der ehemaligen Sklavinnen und Sklaven, überlebte so einhundert Jahre im Dschungel Brasiliens.

Es war den Schwarzen in Brasilien bis 1937 verboten, Capoeira zu trainieren. So erhielten ihre gefährlichen Bewegungen zur Tarnung einen tänzerischen Charakter. Capoeira entwickelte sich auch zu einer Lebenskunst. Sie überlebte anfänglich in Salvador da Bahia und ist heute Teil der nationalen Kultur sowie nationaler Kampfsport Brasiliens.
Heutzutage finden Straßenkinder in Brasilien kostenlosen Unterricht in Capoeiraschulen. Für viele stellt sie die einzige soziale Bindung und Entwicklungsmöglichkeit dar. Neben der ausgeprägten Körperarbeit zielt die Ausbildung in den meisten Capoeiraschulen auf die Integration in die Gruppe, das Arbeiten an sich selbst und das Entdecken eigener religiöser Verwurzelung.

Im Rahmen der evangelischen Bildungsarbeit hierzulande ermöglicht Capoeira jungen Menschen den Zugang in den gesellschaftlichen Raum der Kirche, auch wenn sie keine religiöse Vorbildung oder Absicht mitbringen. Sie lässt sie eigenverantwortlich und sozial handeln, mit christlichen Inhalten in Kontakt kommen und einen Platz in unserer kirchlichen Jugend- und Bildungsarbeit finden. Außerdem sprengt Capoeira durch ihren körperbezogenen Ansatz intellektuelle Hierarchien, wie sie in der Schule vorhanden sind. Sie gelingt in gleicher Weise mit Gymnasiast/inn/en wie mit Hauptschüler/inne/n. Capoeira macht körperliche Selbsterfahrung möglich und fördert die Entwicklung von Selbst- und Sozialkompetenz. Sie hat eine starke integrative Kraft. Im Kontext gewaltpräventiver Maßnahmen bietet sie eine gute Basis für die Arbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen.

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